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Filmkritik: „The Revenant“

7. Januar 2016 von
Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) kämpft sich zurück ins Leben. Foto: Twentieth Century Fox
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Beständig wie ein Baum, der jedem noch so starken Sturm mit seinem festen Wurzelwerk zu trotzen vermag, kämpft sich der zurückgelassene und dem Tode nahe Felljäger Hugh Glass, gespielt von Leonardo DiCaprio, durch die vereiste Landschaft der amerikanischen Wildnis, um den Mord an seinem Sohn zu rächen. „So lang man atmet, kämpft man“ und der Atem war lang. „The Revenant“, Ein bewegendes, auf wahren Begebenheiten beruhendes Survival-Drama mit überwältigenden Kamerafahrten, bringt die wahre menschliche Psyche zum Vorschein, die versucht, sich über die Hoheit und Gewalt der Natur hinwegzusetzen.

Das neue bildgewaltige, blutige und mitreißende Filmspektakel des mehrfach oscarprämierten Regisseurs Alejandro González Iñárritu hinterlässt Spuren – tiefe Spuren. Ein willensstarker Mann, der nach einem Bärenangriff dem Tode geweiht zu sein schien, kämpft sich, genährt durch den Rachedurst an dem Pelzhändler, der seinen Sohn auf dem Gewissen hat und ihn selbst zurückließ, durch die gefährliche und eisige Wildnis. Immer wieder gerät er in lebensgefährliche Situationen, die er nur mit Hilfe der motivierenden Worte seiner verstorbenen Frau meistern kann.

Ein Blick in die Seele

Ist der Mensch so primitiv gestrickt? Setzt jegliche moralische Vernunft aus, wenn es um das pure Überleben geht? Dürfen Menschen töten, um sich selbst zu retten? All diesen Fragen geht Alejandro González Iñárritu in seinem neuen spektakulären Survival-Drama auf den Grund. Fest scheint zumindest zu stehen, dass Menschen über ihre Kräfte hinauswachsen und gar der Gewalt der Natur erfolgreich entgegentreten können, wenn ihre moralischen und sozialen Grundpfeiler angegriffen werden. Was uns antreibt, scheint nicht die Rache an sich zu sein, sondern der Drang nach ausgleichender Gerechtigkeit, für die manch einer dann vermutlich über Leichen zu gehen versucht. „The Revenant“ macht sich mit dem Protagonisten auf die Suche nach „gerechter“ Gerechtigkeit, die zwar durch Rache angetrieben werden kann, aber nicht durch sie vollendet werden muss.

Leonardo DiCaprio: Szene aus "The Revenant". Foto: Twentieth Century Fox

Leonardo DiCaprio: Szene aus „The Revenant“. Foto: Twentieth Century Fox

Zahlt sich der „Lange Atem“ von Leonardo DiCaprio endlich aus?

„So lange man atmet, kämpft man“, lauteten die Worte der verstorbenen Frau von Hugh Glass. Diese Worte sind es, mit denen es dem Protagonisten gelingt, blutige Bärenkämpfe, reißende Wasserströme oder eisige Kälte zu überstehen. Vielleicht schlummert hier nun endlich der heiß ersehnte Oscar für Leonarda DiCaprio. Seine überzeugende nahezu alleinige „One-Man-Show“, die ihn nicht nur schauspielerische, sondern auch sportliche und körperliche Leistungen abverlangte, verdeutlicht die herausragende Arbeit, die diesem Survival-Erlebnis erst die bewegende Dramatik verlieh.

Unsichtbarer Protagonist

Eine weitere wahre Größe versteckt sich im „Hintergrund“ des Iñárritu-Western. Denn ohne die überwältigen Landschaftsaufnahmen und die langen Kamerafahrten, die schon zu Beginn des Abenteuerfilms den Zuschauer auf eine Reise in die amerikanische Wildnis des 19. Jahrhundert katapultiert, hätte der Film einiges an Tragweite und Emotionalität verloren. Die eindrucksvollen Perspektivwechsel und die Weitwinkel-Einstellungen zeigen, wie stark und unberechenbar, aber auch wie friedlich und beruhigend die Natur sein kann und wie sie das Leben der Menschen zu kontrollieren vermag. Verantwortlich für diese grandiosen Szenenbilder war der mexikanische Kameramann Emmanuel Lubezki, der bereits für Iñárritus „Birdman“ einen von bisher zwei Oscars sein Eigen nennen kann.

Seit Mittwoch läuft das bildgewaltige und mitreißende Abenteuer-Survival-Drama und wartet darauf, die Zuschauer auf eine Reise in die brutale, jedoch reale Welt menschlicher Höhen und Abgründe zu entführen. Trotz 151-minütiger Dauer vermag es die Handlung, ihren Spannungsbogen bis zum Ende aufrechtzuerhalten und gibt dem Zuschauer das Gefühl, die zunehmende Vitalität und den steigenden Überlebenswillen und Optimismus selbst mitzuerleben.

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