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Fortbildung bei der Feuerwehr Langelsheim

11. Januar 2016
Die Feuerwehr Langelsheim führte einen Lehrgang zum Thema "Sicheres Arbeiten in Bereichen mit Absturzgefahr" durch. Fotos: Feuerwehr Langelsheim
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Langelsheim. „Sicheres Arbeiten in Bereichen mit Absturzgefahr“. Diesem Thema widmeten sich an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden die Kameraden der Feuerwehr Langelsheim. Einige Kameraden der Feuerwehr Wolfshagen im Harz und Lutter/Hahausen waren ebenfalls dabei.

Ziel dieser Fortbildung war es, dass die Teilnehmer die Besonderheiten bei Einsätzen in absturzgefährdeten Bereichen kennen und beurteilen lernen, die unterschiedlichsten Sicherungsarten benennen, die Grundtechniken der Absturzsicherung sowohl beschreiben als auch anwenden können. Diese Thematik beinhaltet NICHT die „spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen“. Viele Arbeiten während Einsätzen oder Übungen werden in Bereichen durchgeführt, in denen sich die Einsatzkräfte mit einem Absturzrisiko konfrontiert sehen. Beispielsweise an Kanten die nicht baulich gesichert sind, oder Durchbruchgefahren beim Betreten nicht ausreichend tragfähiger Bauteile. Beim beurteilen der Gefahren folgen die Kameraden der sogenannten „TOP“-Regel. Hierbei steht die einzelnen Buchstaben für folgende Maßnahmen: – T = Technische Maßnahmen ( z.B. Einsatz Drehleiter/Teleskopgelenkmast), – O = Organisatorische Maßnahmen ( z.B. Gefahrenbereich absperren ), – P = Personelle Maßnahmen ( Z.B Einsatz von Spezialkräften )

Wenn nach der erfolgten Beurteilung festgestellt wird, das diese Maßnahmen an der Einsatzstelle nicht zur Verfügung stehen, muss die „Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz“ getragen werden. Somit wird sichergestellt,  das in Gefahrenbereichen arbeitende Kameraden vor Absturz geschützt werden. Sei es dadurch, dass ein Absturz durch Rückhalten ausgeschlossen wird, ein Stürzen durch Halten minimiert werden kann oder das die Person im Falle eines Sturzes mit freiem Fall durch geeignete Mittel aufgefangen wird und somit diesen Sturz weitestgehend unbeschadet übersteht. Fachbegriffe wie absturzgefährdeter Bereich, Absturzsicherung, Auffangen, Dynamische Sicherung oder auch Falldämpfer. Diese Begriffe und die dazugehörigen Mittel oder das Wissen darüber müssen gelernt und beherrscht werden. Auch die Selbstrettung, also das behelfsmäßige Abseilen aus einem Gefahrenbereich bei höchster Lebensgefahr im äußersten Notfall muss geprobt werden, damit dieses im Extremfall abruf- und anwendbar ist. Die Selbstrettung wird im Einsatzfall allerdings nur dann durchgeführt, wenn alle anderen Rettungswege nicht mehr begehbar sind.

Das Knotenbinden war ein Teil des Lehrgangs.

Das Knotenbinden war ein Teil des Lehrgangs.

Des weiteren wurden die verschiedenen Definitionen der Fachbegriffe, die unterschiedlichen Normen für die verwendete PSA ( Persönliche Schutzausrüstung ) sowie auch das theoretische Wissen über Belastbarkeiten der verwendeten Seile oder auch Auffanggurte vermittelt. Damit jedoch noch nicht genug der Theoretischen Ausbildung. Die Inhalte der FwDV1 ( Feuerwehrdienstvorschrift 1 ) wie Erläuterungen über den „Gerätesatz Absturzsicherung“ und seine Anwendung wurden während dieser Fortbildung behandelt. Weiterhin haben  der GemeindeUnfallVerband, kurz GUV genannt und auch die Berufsgenossenschaften verschiedene Regeln oder Grundsätze an die man sich halten muss. Jede Menge Wissen das es zu erlernen und zu behalten gilt. Dabei sind natürlich auch die Unfallverhütungsvorschriften( UVV )   in den verschiedenen dazugehörigen §§ nicht außer Acht zu lassen. Die beiden Multiplikatoren Ralph Brackmann und Marcus Quandte verstanden es, den Kameraden jegliches nötige Wissen in einer entspannten und lockeren Fortbildung an den Mann/ an die Frau zu bringen. Keine ganz leichte Aufgabe bei diesem doch  sehr intensiven Theorie-Teil. Zwar dient die Absturzsicherung den Feuerwehren ausschließlich zum Sichern sowie zur technischen Hilfeleistung und zur Brandbekämpfung in größeren Höhen und Tiefen, jedoch nur dann, wenn ein freies Hängen im Seil ausgeschlossen werden kann.

Das „freie Hängen im Seil“ bleibt den extra dafür ausgebildeten Kameraden der Höhenrettung überlassen. Diese besitzen im Vergleich dazu auch die entsprechenden Einsatzgerätschaften, welche extra für eben diese Arbeiten gedacht sind. Da dieses, wie schon erwähnt, eine spezielle Ausbildung ist, wurde dieses Thema auch nur nebenbei behandelt. Nachdem die ersten Unterrichtseinheiten zu Vorschriften, Regeln und Gesetzen abgearbeitet waren, folgte nun die Material- und Gerätekunde. Auch dieses ist ein nicht zu vernachlässigendes Thema, müssen doch die Gerätschaften nach einem Einsatz wieder ordentlich zurückgebaut und verstaut werden. Schließlich soll das Material ja auch eine gewisse Zeit halten. Neben dem klassischen Feuerwehr-Haltegurt und der Feuerwehrleine wurde hier  der „Gerätesatz Absturzsicherung“ zum Unterrichtsmittel auserkoren. Dieser besteht aus einer Vielzahl von Kleinteilen wie HMS-Karabiner, Schraub-Karabiner, Y-Falldämpfer zur Selbstsicherung oder auch Bandschlingen, um nur einige daraus  zu nennen.

Die Bestandteile des Gerätesatzes sind in der DIN 14800-17 nachzulesen. Während der Ausbildung konnte man sich nun sowohl mit den Gerätschaften des  Gerätesatzes beschäftigen, als auch mit einigen alternativen Gerätschaften. Hier spielt dann sicherlich auch der Anschaffungspreis eine Rolle. Es gibt halt wie überall anders auch die Standardausführungen und solche, die dann um einiges teurer sind und vielleicht auch besser. Es sei aber gesagt, das die Standardausführungen voll und ganz ausreichend Schutz gewähren. Ebenfalls ein Punkt in diesem Thema ist es, sowohl den Umgang,  als auch die Wartung und Pflege der Gerätschaften zu kennen und anzuwenden. Diese müssen nach dem Gebrauch oder nach dem Ablauf der Prüffristen, wie z.B. die Atemschutzgeräte oder auch die Masken, auf Unversehrtheit und Sauberkeit geprüft werden. Die Prüfung über die Unversehrtheit darf dabei aber nur von einer Sachkundigen Person vorgenommen werden.

Welcher Knoten ist richtig?

Im Anschluss an diesen Ausbildungsteil schloss sich dann die Seil- und Knotenkunde an. Es macht durchaus Sinn zu wissen, welches Seil  wann und wie verwendet werden muss, und welcher Knoten dafür vorgesehen ist. Weiterhin ist zu erfahren, wo die Unterschiede zwischen dynamischen und statischen Seilen liegen, wozu die Feuerwehrleine dient und wozu sie nicht genutzt werden darf, oder auch welche Farbkennzeichnung für die verschiedenen Seile verwendet werden können. Knoten; Aufbau und Funktion lautete dann der darauffolgende Ausbildungsteil. Auch dieses Wissen ist nicht minder wichtig und wurde deshalb auch mit dem nötigen Ernst behandelt. Es gibt eine Vielzahl von Knoten die in allen möglichen Lebenslagen genutzt werden können. Für den Bereich Absturz werden vier Knoten genutzt, mit denen fast jeder Einsatz im Absturzbereich durchgeführt werden kann. Beim Anlegen der Knoten ist darauf zu achten, dass das Knotenbild sauber aussieht, jeder Knoten nach Fertigstellung mit Handkraft anzuziehen und mit einem Sicherungsknoten zu hintersichern ist und das die Seilenden lang genug bleiben. Zu beachten ist die Tatsache, das jeder Knoten die Reißfestigkeit eines Seiles um ca. 50 Prozent mindert.

Weiter ging es dann mit dem Thema Sicherungstechniken. Hierzu gehören die einzelnen Punkte – Halten und auffangen, Sichern durch Halten, Sichern durch Auffangen, der Einsatz von Zwischensicherungen und von Y-Falldämpfern. Inhalte daraus sind unter anderem wann welche Sicherungsarte angewandt wird und wie sie  im einzelnen anzuwenden ist. Auch das Wissen über auftretende Kräfte die im Falle eines Sturzes auf den menschlichen Körper wirken wurde vermittelt. Ebenso die zu wählenden Strecken der Zwischensicherungen die immer wieder neu beurteilt und angepasst werden müssen. Bei den Sicherungsarten/-grundsätzen  muss je nach Maßnahme ( „Halten“ oder „Auffangen“ ) die richtige Sicherungsart gewählt werden. Unterschieden wird dabei zwischen: Direkter oder indirekter Sicherung, statische oder dynamische Sicherung sowie das Hintersichern. Dieses Wissen ist nötig, um auszuschließen, dass eine fallende Person aufgrund einer falsch gewählten Sicherungsart unnötig hohen Kräften ausgesetzt wird. Wissenswert und ebenfalls ein Punkt zu diesem Thema ist der Aufbau einer Sicherungskette mit allen dazugehörigen Gerätschaften, Abstände der zu wählenden Zwischensicherungen Positionierung der Standplatzsicherung oder des Sicherungsmannes.

Gefahren erkennen

Fortführend ging es dann mit dem Thema Gefahren beim Sichern weiter. Auch hier steckt wie so oft, der Teufel im Detail. Die Gefahren sind nicht immer gleich zu erkennen, bedeuten aber im schlimmsten Fall hohe persönliche Schäden des verunfallenden Kameraden. Der stürzende kann aufgrund einer zu groß gewählten Seillänge auf den Boden aufschlagen. Er könnte an vorstehenden Gebäudeteilen hängen bleiben. Ebenfalls kann durch fehlende Aufmerksamkeit des Sicherungsmannes ein unkontrolliertes durchlaufen des Sicherungsseiles dazu führen, das der zu sichernde plötzlich nicht mehr gehalten wird. Viele weitere Möglichkeiten gilt es zu beachten und im Vorfeld auszuschließen. Schließlich soll die Schutzausrüstung und ihre Bedienung genau dafür sorgen, dass die eingesetzten Kameraden wohlbehalten wieder nachhause kommen. Dazu gehört dann auch, dass man beurteilen kann, welche Befestigungs- oder Anschlagpunkte genutzt oder eben nicht genutzt  werden können. Hierbei kommt es bei der Auswahl und Beurteilung auf eine hohe Gewissenhaftigkeit an. Schlussendlich hängt oder hängen im wahrsten Sinne des Wortes ein oder mehrere Leben daran. Dabei gilt es zu beachten, dass die gewählten Festpunkte mindestens einer Belastung von 10kN standhalten müssen. 20kN oder mehr sind natürlich besser. Es ist weiterhin darauf zu achten, dass der gewählte Punkt keine Beschädigungen am Seil verursachen kann. Sollte dieses nicht möglich sein, muss entsprechender Kantenschutz eingesetzt werden. Dieses können Wolldecken, Gummischläuche oder auch sog. Kantenreiter sein. Zum Schluss der sehr umfangreichen theoretischen Fortbildung kam dann noch das Thema Retten/Selbstretten zur Sprache. Auch hierbei gibt es wieder eine große Zahl an Regeln und Vorschriften, Einsatzmaterialien und Gerätschaften sowie die verschiedenen Möglichkeiten eine solche Rettung oder auch Selbstrettung durchzuführen. Wie Eingangs schon erwähnt, ist das  Selbstretten aber nur dann anzuwenden, wenn alle anderen Rettungswege nicht mehr begehbar sind. Die am meisten zur Verfügung stehenden Geräte sind die in allen Feuerwehren vorhandenen Feuerwehr-Haltegurte und die Feuerwehrleine. Auch über diese beiden Gerätschaften ist eine Selbstrettung im Notfall möglich. Beschrieben und behandelt wird dieser Punkt in der FwdV 1 “ Grundtätigkeiten, Lösch- und Hilfeleistungseinsatz“. Als Standard Rettungsgerät ist der Feuerwehr- Haltegurt allerdings nicht zu betrachten. Dieser dient wirklich nur im äußersten Notfall als Rettungsgerät.

Theorie in die Praxis umsetzen

Nach Abschluss des theoretischen Teils durfte dann endlich das frisch gelernte in der Praxis erprobt werden. Zuerst machte man sich mit den verschiedenen Knoten vertraut, lernte die verschiedenen Geräte zur Sicherung kennen und probte die Handhabung mit eben diesen. Das Anlegen des Auffanggurtes sowie die Beurteilung von Anschlagpunkten wurde sorgsam geprobt und immer wieder überprüft. Nachdem die Handgriffe von allen beherrscht wurden, ging es dann an die Übungen an unserem Übungsturm. Auch unser Teleskopgelenkmast leistete als Einsatzgerät wertvolle Dienste. Hieran konnte die sogenannte „Toprope Sicherung“ geübt werden. Der gesicherte horizontale Vorstieg wurde ebenso geprobt wie der vertikale Vorstieg oder auch der Sturz ins Seil. Hierfür musste und durfte natürlich kein Kamerad oder ein zufällig anwesender Zuschauer diesen Sturz darstellen. Genutzt wurde für diese Übung einer unserer Übungsdummys. Nachdem alles in der Theorie erlernte auch praktisch angewandt wurde, mussten die Teilnehmer noch einen Leistungsnachweis erbringen. In diesem wurde dann abschließend festgestellt, das sämtlicher Stoff aus Theorie und Praxi auch verstanden wurde. Nach erfolgter Auswertung konnte allen Kameraden bescheinigt werden, das sie mit dem Thema „Sicheres Arbeiten in Bereichen mit Absturzgefahr“ bestens vertraut sind. Ein großen Dank an die ausführenden Multiplikatoren Ralph Brackmann und Marcus Quandte, die es verstanden, diese 4tägige Fortbildung leicht, locker und trotzdem mit dem nötigen Ernst zu keiner Zeit langweilig gestalteten. Abschließend gab es noch etwas warmes zu Essen, welches natürlich auch während der gesamten Fortbildung nicht fehlen durfte.

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