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Kinderärztlicher Notdienst: SPD-Landtagsabgeordnete wenden sich an KVN

11. Dezember 2017
Dr. Alexander Saipa und Petra Emmerich-Kopatsch fordern, "ein sinnvolleres und gerechteres System der Kinderarztversorgung - auch in den Randzeiten - im Landkreis Goslar einzurichten". Fotos: pixabay/SPD
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Goslar. Die Zukunft des kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes im Landkreis Goslar sorgt seit Wochen für kontroverse Diskussionen (regionalHeute.de berichtete). Nun melden sich Alexander Saipa und Petra Emmerich-Kopatsch zu Wort.

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In einem Brief an die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) fordern die beiden Landtagsabgeordneten „ein sinnvolleres und gerechteres System der Kinderarztversorgung – auch in den Randzeiten – im Landkreis Goslar einzurichten“.

Wir veröffentlichen den Brief ungekürzt und unkommentiert:

Sehr geehrter Herr Kleinschmidt,

es ist bereits über vier Jahre her, als meine Kollegin Petra Emmerich-Kopatsch und ich in einem Brief für die Nichteinstellung des kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes im LK Goslar bei Ihnen geworben hatten. Damals hat die KVN die Entscheidung vertagt, was uns für den damaligen Moment sehr gefreut hatte. Leider ist nun endgültig der Beschluss da, dieses wirklich wichtige Instrument einzustellen ab 01.01.2018.

Sicher: als Vater eines vierjährigen Sohnes weiß ich gut, dass man manchmal etwas schneller darüber nachdenkt mit dem Kind zum Arzt zu gehen, als das vielleicht früher so praktiziert wurde. Meine Frau und ich beraten das vorher in der Familie und greifen dabei auch auf das Wissen der Generation zurück, die schon Kinder großgezogen hat. Das Glück haben aber heute nicht mehr ganz so viele Eltern. Es gibt deutlich mehr alleinerziehende Elternteile, die im wahrsten Sinne auch alleine bei einer solchen Entscheidung sind. Häufig sind auch die Großeltern nicht mehr vor Ort, um bei diesen Entscheidungen mitzuhelfen. Dazu kommt noch die „Selbstdiagnose“ im Internet. Von den Kinderärzten wissen wir natürlich auch sehr gut, dass oft in der Bereitschaftszeit nicht immer die Art von Fällen zu behandeln sind, die nicht auch besser einen Tag eher oder vielleicht einen Tag später zu den normalen Praxisöffnungszeiten kommen könnten.

Dennoch, die Eltern im Landkreis Goslar fühlen sich durch die Entscheidung der KVN alleine gelassen. Diese Meinung wird im allgemeinen auch in der Politik so geteilt. Seit einiger Zeit steigen die Geburtenraten im Landkreis deutlich und damit sind eben auch mehr Kinder als Patienten zu berücksichtigen. Dieser Trend ist nachhaltig. Das sieht man auch daran, das die Kommunen ihre Betreuungsplätze ausbauen müssen.

Viele Eltern haben an uns herangetragen, dass sie große Schwierigkeiten haben, einen behandelnden Arzt zu finden. Dies ist insofern ein wirkliches Problem, als das klar ist, dass Pflichtuntersuchungen bei den Kindern zeitnah zu erfolgen haben. Mehrere Eltern haben uns bereits berichtet, dass sie Schwierigkeiten haben, im geforderten Zeitraum einen Behandlungstermin bei Kinderärzten im LK Goslar zu bekommen. Die Ärzte können scheinbar schlichtweg keine neuen Patienten mehr aufnehmen.

Für Eltern ist die gute medizinische Versorgung ihrer Kinder natürlich auch eine Standortentscheidung. Vielleicht auch weit mehr als früher.
Welche alleinerziehende Mutter wird denn mit einem kranken Kind von Clausthal-Zellerfeld bis nach Braunschweig über eine Stunde zum Bereitschaftsdienst fahren? Die geographische Situation im LK Goslar wird in keiner Weise bei der Entscheidung, den Bereitschaftsdienst einzustellen, berücksichtigt. Soll in solchen Situationen immer der Rettungsdienst gerufen werden? Ich würden es den Eltern ja empfehlen, denn wenn es um ein Kind geht, dann muss meiner Meinung nach alles getan werden, was getan werden kann. Das allerdings noch als breit aufgestellte kinderärztliche Versorgung anzusehen, ist eine sehr unglückliche Darstellung. Wenn dann zusätzlich die Mobilität eingeschränkt ist, da vielleicht kein Auto zur Verfügung steht, ist der Weg zur kinderärztlichen Versorgung nach Salzgitter oder Braunschweig schlichtweg unmöglich.

Zusammenfassend möchten wir Sie vor dem Hintergrund der wirklich schwierigen Situation bitten, ein sinnvolleres und gerechteres System der Kinderarztversorgung – auch in den Randzeiten – im Landkreis Goslar einzurichten. Darüberhinaus wäre es dringend notwendig, gerade in Goslar den freien Sitz umgehend zu besetzen. Die in den vergangenen Jahren immer wieder veröffentlichten Verdienstskalen zeigen die Kinderärzte eher im unteren Bereich. Weit oben sind hingegen zB Radiologen. Wir sind der Meinung, dass besonders die Leistungen der Kinderärzte viel besser honoriert werden müssen. Sie sind es, die unsere Kinder, unsere nachkommenden Generationen, ab dem Beginn des Lebens behandeln. Sie haben als Ärzte eine unglaublich hohe Verantwortung gegenüber ihren kleinen Patienten, die sich in den ersten Jahren nicht sprachlich ausdrücken können. Die Ärztinnen und Ärzte, die sich entscheiden, diese kleinen Patienten zu behandeln, müssen unserer Meinung nach eine viel höhere Anerkennung bekommen.

Wir freuen uns auf Ihre Antwort und verbleiben
Mit freundlichen Grüßen
 
Alexander Saipa                                 Petra Emmerich-Kopatsch
 

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