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Kinokritik – „Atomic Blonde“: Zu cool um gut zu sein

26. August 2017
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Wir sahen "Atomic Blonde" im Cineplex Goslar. Foto: Nino Milizia
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Goslar. Oscar-Preisträgerin Charlize Theron bewies bereits in "Mad Max: Fury Road", dass sie durchaus austeilen kann. Im Agenten-Thriller "Atomic Blonde", der am vergangenen Donnerstag im Cineplex Goslar startete, will sie nun zeigen, dass sie es auch problemlos mit Jason Bourne oder James Bond aufnehmen kann.

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Was haben Agentenfilme wie die der James Bond- oder Jason Bourne-Reihe gemeinsam? Richtig: Die Handlung ist nicht wirklich wichtig. Viel mehr zählen die Schauwerte, coole Charaktere und jede Menge Wumms. Gleiches gilt dann wohl auch für „Atomic Blonde“, der allerdings mit einer weiblichen Hauptfigur daher kommt, die so brutal und kaltherzig töten kann, wie wir es im Hollywoodkino von einer Frau vielleicht noch nie gesehen haben. Theron lässt sich bei den Kämpfen nicht doublen und wirkt in jeder Action-Sequenz absolut überzeugend. Das ringt dem hier Schreibenden Respekt ab. Doch bevor hier jemand einen Tost auf einen feministischen Film ausspricht, sollte an dieser Stelle gewarnt sein. Auch wenn hier endlich eine Frau mal so richtig die Sau raus lassen darf, so ist und bleibt „Atomic Blonde“ ein Film für Männer.

Zu offensichtlich ist die Fleischbeschau, wenn die Hauptdarstellerin nackt aus der Wanne steigt oder in Netzstrümpfen ihre Wanzen am Körper befestigt. Sogar (amerikanisch prüde) Lesbensexszenen haben sie uns Männern spendiert und damit alle unsere feuchten Träume bedient. Das Regie-Debüt von David Leitch will aber nichts zur Frauenbewegung beitragen, uns nicht intellektuell oder emotional fordern, sondern einfach nur Spaß machen und gleichzeitig unglaublich cool aussehen. Letzteres gelingt ihm sogar, denn optisch macht der Streifen gewaltig etwas her. Allein die Farben, die Szenerie des Berlins vor dem Mauerfall oder der grandiose Eighties-Soundtrack schreien geradezu nach Kultfilmstatus. Wenn nicht das große „Aber“ wäre. Ist James Bond zumindest in Ansätzen zu Gefühlen fähig und auf gewisse Weise vielschichtig, so bleibt Therons Rolle als Top-Agentin Lorraine Broughton unheimlich konturlos.

Til Schweigers beeindruckenste Rolle

Ja, sie ist cool. Allerdings so cool, dass sie fast unmenschlich wirkt. Keine Konturen, keine Emotionen. Wir kennen nicht ihre Vergangenheit, nicht ihre Motivation und schon gar nicht, auf welcher Seite sie eigentlich steht. Dies ist das ganz große Dilemma des Films. Mit wem kann man eigentlich mitfiebern? Jede im Film sterbende Figur ist dem Zuschauer schlichtweg egal. Selbst wenn die Hauptdarstellerin über den Jordan gehen sollte, dürfte dies nicht sonderlich jucken. Das gilt für einfach alle Figuren des Films, in dem übrigens Til Schweiger einen Part übernehmen durfte. Herrlich ironisch urteilte die „Zeit“, dass er hier doch seine beeindruckenste Rolle gespielt habe. In Wirklichkeit darf er in seiner Mini-Rolle etwa fünf Sätze sagen, die jeder Theater-AG-Schüler hinbekommen hätte. Doch hat man wohl auch diesmal darauf gehofft, mit dem Namen Schweiger einige deutsche Kinogänger anlocken zu können.

Wenn Sie jetzt noch immer an dem Film interessiert sind, lassen Sie sich doch bitte noch die Story näher bringen: Kurz vor dem Fall der Mauer prügeln sich diverse Geheimdienste in Berlin um einen Mikrofilm, der alle Namen und Geheimnisse der Spione aller Geheimdienste beinhaltet. Dies wird in Rückblenden erzählt, da die Superagentin Lorraine Broughton nach ihrem Einsatz ihren Vorgesetzten Rechenschaft ablegen muss. Dazu gibt es Kopfschüsse en masse, Lesbensex und einen geilen Sound von Nena bis Depeche Mode. Viel Spaß!

So fanden die Kinobesucher im Cineplex Goslar den Film:

Wir geben „Atomic Blonde“ zwei von fünf Punkten.

Kinopunkte, regionalHeute.de-Punkte, Bewertung, Kinokritik.

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