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Kinokritik: Aus dem Nichts

1. Dezember 2017
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Wir sahen für euch "Aus dem Nichts" im Cineplex Goslar. Foto: Anke Donner / Sandra Zecchino
Goslar. Im Cineplex läuft aktuell der Film "Aus dem Nichts" von Fatih Akin. Der Regisseur greift dabei einen der NSU-Anschläge auf und entwickelt daraus eine fiktive Geschichte. Für die Hauptrolle Katja Sekerci konnte er Diane Kruger gewinnen.

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Wer eine direkte gesellschaftliche Auseinandersetzung erwartet, wird sie in dem Film nicht finden. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Den Fokus hat Akin auf die Emotionen der Hauptrolle Katja Sekerci gelegt, die von Kuger ausgezeichnet gespielt wird. Kruger ist es zu verdanken, dass die Entwicklung der Rolle im Verlauf des Films trotz eng gepackter Handlung glaubwürdig bleibt. Doch leider reichte das nicht aus, damit sich die gesamte Geschichte aus sich heraus hätte entwickeln können.

Katja verliert ihren fünf-jährigen Sohn Rocco und ihren Mann Nuri Sekerci bei einem Anschlag mit einer Nagelbombe. Da Nuri wegen Drogenhandel vorbestraft ist, kommt schnell der Verdacht auf, dass es eine Tat aus dem Drogenmileu war. Niemand will auf Katja hören, wenn sie betont, dass er mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat. Erst kurz bevor Katja in ihrer Verzweiflung im wahrsten Sinne des Wortes untergeht, wird das Neo-Nazi-Paar André und Edda Möller wegen der Morde verhaftet.

Wenn der Film die Handlung verliert

An dieser Stelle beginnt der zweite Teil des Films, und mit ihm wechselt die emotionale Bildsprache in die Sachlichkeit einer Gerichtsverhandlung. Und an der Stelle lässt auch die Handlung leider nach. Auch wenn der Verteidiger versuchte, die Beweise zu entkräften, hat der Zuschauer nie das Gefühl, dass dabei eine in sich geschlossene Argumentation herauskommt. Wahrscheinlich der inhaltlichen Fülle des Films geschuldet, gelang es Akin nicht, den Freispruch glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Auch der jetzt startende dritte Teil des Films, in dem Katja André und Edda findet und sich mit ihnen zusammen in die Luft sprengt, führt nicht dazu, dass sich die Handlung rund anfühlt. Eigentlich im Gegenteil, wenn Akin diesen Teil weggelassen hätte und den anderen beiden entsprechend mehr Raum zur Entfaltung gegeben hätte, hätte es dem Film gut getan.

Fazit

Der mit Abstand stärkste Teil ist der erste, wobei das hauptsächlich an den schauspielerischen Fähigkeiten von Kruger liegt. Ihr gelingt es, die auch an der Stelle bereits gedrängte Handlung mit Seele zu füllen. Doch danach lässt der Film leider stark nach. Wie zu oft im Leben gilt halt nicht „mehr hilft mehr“. Statt dessen hätte dem Film weniger Handlung und dafür mehr Raum zur Entfaltung sehr gut getan.

Für das erste Drittel hätte der Film vier von fünf Punkte verdient, aber als Gesamtwerk bleiben davon leider nur noch zwei über.

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