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Kinokritik: „mother!“ – Rundumschlag eines Verzweifelten

15. September 2017
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Wir sahen "mother!" im Cineplex Goslar. Foto: Nino Milizia
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Goslar. Darren Aronovsky ist der Mann für die besonderen Filme. Ob "Requiem for a dream", "The Wrestler" oder "Black Swan": Seine Werke fordern das Publikum und wollen einem nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Doch nie ging er so weit wie bei seinem neuesten Streich "mother!", welcher nicht nur beim Goslarer Publikum für einige Fragezeichen sorgen dürfte.

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Aronovsky schloss sich für fünf Tage ein. Angewidert von der Welt mit ihrer Zerstörung, Kriegen, Naturkatastrophen, Terror, Flüchtlingskrise und Egoismen der reichen Staaten. Heraus kam ein Drehbuch, das weniger einen Film, sondern viel mehr einen Albtraum im Fieberwahn hervorbringt. Wer hier einen Psycho-Horrorfilm im Stil von „Rosemary’s Baby“ erwartet hat, dürfte den Kinosaal hinterher nur kopfschüttelnd und verständnislos verlassen. Dabei ist die Ausgangslage so bekannt wie verlockend. Ein Ehepaar (Jennifer Lawrence, Javier Bardem) lebt in einem abgeschiedenen Haus, nimmt fremde Gäste (Ed Harris, Michelle Pfeiffer) bei sich auf, die sich zunehmend merkwürdig verhalten und ein Gefühl von Unbehagen verbreiten.

Auch der hier Schreibende kann seine üblichen Sehgewohnheiten nicht ganz abstreifen und erwartet nach den ersten Jump-Scares einen linear verlaufenden Schocker, der sich langsam hochschaukelt, um im besten Fall mit einem überraschenden Finale das Publikum aus den Sitzen zu hauen. Ich frage mich, ob es wohl ins Okkulte abrutschen wird, oder ob die Hauptfigur vielleicht schizophren ist und die Realität falsch interpretiert, wir nur an der Nase herum geführt werden. Vielleicht ist es aber auch nur ein typischer Home Invasion-Vertreter, der mit einem brachialen Finish um die Ecke kommt. Doch wird spätestens in der letzten halben Stunde klar, das „mother!“ etwas gänzlich anderes ist. Und genau deshalb wird dieser Film von vielen zu Unrecht als Geldverschwendung, als Enttäuschung und verworrener Irrsinn abgestempelt werden.

Ein Film zum Verrücktwerden

Letztendlich haben wir es hier wieder mit einem dieser Mindfuck-Movies zu tun, die uns fast in den Wahnsinn treiben, da sie es einem so schwer machen, sie zu verstehen. Weil wir Stunden oder gar Tage über sie grübeln und mit Freunden und Bekannten über Sinn und Unsinn dieses Machwerks diskutieren müssen. Und selbst dann, wenn man meint, ihn in seiner Gänze verstanden zu haben, wird man wenig später mit einer weiteren Interpretation konfrontiert, die mindestens genauso plausibel klingt und damit beinahe alles „Erarbeitete“ wieder über den Haufen wirft. Zum Verrücktwerden! Es sind die plakativen Bilder, Motive aus der Bibel, die uns in „mother!“ pausenlos anspringen. Eine Neuinterpretation des alten und neuen Testaments? Oder eine Kritik daran? Jede Kameraeinstellung, Geste und Aussage der Darsteller könnte ein Hinweis sein.

Und so lege ich ein Indiz an das nächste, erhalte aber kein vollständiges Puzzle. Die unzähligen Allegorien treiben mich schier in den Wahnsinn und sobald der Abspann einsetzt, habe ich keine Ahnung, was ich da eigentlich gesehen habe. Erst einen Tag später und nach dem Durchlesen unterschiedlichster Interpretationen im Internet bin ich nun zu dem Schluss gekommen, eine Ahnung zu haben, was der Film sein will. Wer gerne von Filmen ge- oder gar überfordert wird, wird an Darren Aronovskys „mother!“ seine helle Freude haben. Alle anderen werden nur fragend zurück bleiben und den Kinobesuch bereuen.

Fazit: Ein Film, den man so schnell nicht vergessen wird und der das Zeug zum Klassiker hat. 4,5 von 5 Punkten

So fanden die Kinobesucher im Cineplex Goslar „mother!“

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