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KolumneHeute: Postkartenidyll war gestern

27. Dezember 2015 von
Symbolfoto: Alec Pein
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Gerade in der Weihnachtszeit bemühen sich Familien um ein möglichst harmonisches Beisammensein. Doch dann passiert, was eigentlich nicht passieren soll: der obligatorische Weihnachtsstreit.

Im Hintergrund läuft passende Festtagsmusik, die Kinder sitzen unter dem Weihnachtsbaum und spielen mit ihren Geschenken. Alle freuen sich, ein einziges friedliches Miteinander. So schauen die familiären Weihnachtsfeiertage oft in Bilderbüchern aus. Leider sieht es manchmal doch ein wenig anders aus. Der schöne Tannenbaum ist maßgeblich gekürzt, da er einfach nicht in den Ständer passen wollte – obendrein ist er auch noch schief. Ein Elternteil schimpft, das andere schmollt. Als man grummelnd im Wohnzimmer steht, hat sich das Töchterchen der Strumpfhose entledigt – kein Wunder, die kratzt ja auch. In der dampfenden Küche streiten sich Oma und Mama, wie lange die arme Gans in die Röhre muss – sind es nun zwei oder drei Stunden. Als es endlich an die Bescherung geht, weint mindestens eines von zwei Kindern. Der dicke, fremde Mann mit rotem Mantel und weißem Bart sieht aber auch einfach zu gruselig aus. Minuten später streiten sich die Geschwister, weil einer vier und der andere fünf Pakete auspacken darf. Die Älteste ist beleidigt, weil sie statt der Festival-Karten die Brockhaus-Junior-Edition bekommen hat. Oma schimpft über die unerzogenen Kinder und Opa will sich darüber auslassen, ob nun Kohl oder Schmidt der bessere Kanzler war. Währenddessen futtert Tante die Edlen Tropfen auf und beginnt schmutzige Witze zu erzählen.

Die Autorin: RegionalHeute.de-Redakteurin Sina Rühland.

Die Autorin: RegionalHeute.de-Redakteurin Sina Rühland.

Diese oder ähnliche Streitereien findet oft genau dann statt, wenn es besonders schön werden soll. Vermutlich liegt es an den hohen Erwartungen, die jeder an Weihnachten hat. Wenn der Abend nicht nach den Bilderbuch-Vorstellungen läuft, dann gerät alles aus dem Lot. Weihnachten ist das Fest der Liebe, da darf es keine bösen Worte geben. Alleine die Maßgabe, dass der Abend harmonisch ablaufen müsse, setzt ja per se schon mal jeden unter Druck.

Wenn man sich an einem ganz normalen Morgen streitet, weil die Kinder nicht aufstehen wollen, dann ist das etwas anderes: dann gilt das als ein Alltagsstreit. Streit an Weihnachten hingegen darf nicht sein. Wir haben Bilder im Kopf, die vorgeben, wie bestimmte Situationen abzulaufen haben. Erfüllt sich dieses Postkartenidyll nicht, bringt das alles durcheinander. Aber warum eigentlich? So ein kleiner Knall kann ja auch bereinigend wirken. Außerdem hat es auch etwas sehr verlässliches, wenn Oma und Mama jedes Jahr darüber diskutieren, wie lange die Gans in den Ofen muss. Wenn Opa spätestens am Esstisch über die aktuelle politische Lage referieren möchte. Wenn die Tochter in schönen und regelmäßigen Abständen wutschnaubend in ihrem Zimmer verschwindend – so ein kleiner Diskurs zur Weihnachtszeit hat also oft die reinigende Wirkung eines Gewitters. Es knallt einmal heftig und danach können dann alle weiter feiern – in allerschönster Harmonie.

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