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KolumneHeute: Scheiß auf die Gesellschaft

18. Oktober 2015 von
Nach einem vollen Glas Wasser könnte man schon mal ordentlich rülpsen - macht man aber nicht. Warum eigentlich nicht? Symbolbild: Anke Donner
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Scheiße sagt man nicht! Sagt wer? Ich meine, wer hat das festgelegt, dass es sich „nicht gehört“ öffentlich so zu fluchen?

Vermutlich waren es die gleichen Leute, die die Kleiderordnung für gewisse Anlässe festgelegt haben. Warum muss man bei einem gesellschaftlichen Event in Anzug und Krawatte, möglichst mit auf Glanz hochpolierten Schuhen, beziehungsweise in Abendkleid und Stöckelschuhen auftauchen – zumindest wenn man nicht schief angeguckt werden möchte oder sich im Small Talk dann gar dafür rechtfertigen soll, dass man eben eine andere Kleiderwahl nebst Turnschuhen getroffen hat.

Rülpsen, geht gar nicht

Mein 7-jähriger Sohn fragt mich, warum er in der Öffentlichkeit denn nicht rülpsen darf. Und meine Frau möchte von mir wissen, warum man denn nicht mal unpünktlich sein darf. „Weil man das nicht macht!“, antworte ich dann und verbiege mich dafür eigentlich selbst.

Man richtet sich nach den Spielregeln der Gesellschaft. Doch sind wir nicht eigentlich alle Teil dieser Gesellschaft? Obliegt es uns dann nicht selbständig diese „Regeln“ zu durchbrechen, zu verändern und sie so auszuleben wie jedes Individuum es möchte – sofern man sich natürlich an die niedergeschriebenen juristischen Gesetze hält?

Widerstand leisten

Glücklicherweise gibt es sie, die Menschen, die sagen „Scheiß auf die Gesellschaft“ und ihr in ihrer Form Widerstand leisten. Und so habe ich mich sehr über den älteren Herrn rechts neben mir und das kleine Kind direkt hinter mir gefreut, die gestern Abend im Theater am Potsdamer Platz in Berlin die Regeln der Gesellschaft durchbrochen haben und mitten im Stück, krumm und schief und das auch noch lautstark, Udo Lindenbergs Songs im Musical „Hinterm Horizont“ voller Freude mitgesungen haben. Die Blicke, die ihnen zuflogen und deutlich sagten „Das macht man aber nicht!“ waren ihnen scheißegal.

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