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KolumneHeute: Wenn gratis nicht genug ist

26. Juli 2015 von
Tanken - und das gratis. Ach, wie wär' das toll! Symbolbild: Robert Braumann
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Manche Kulturen sind bei genauerer Betrachtung schon ein bisschen aberwitzig. Und richtig schlimm ist es, wenn man eine dieser Kulturen auslebt und sich des Irrsinns dieser offenbar nicht einmal bewusst ist. Hierzu zählt für mich diese neumoderne fanatische Gratis-Kultur, bestückt mit den Menschen, denen „gratis“ nicht genug ist.

Man muss sich das einmal vorstellen – man fährt morgens vor der Arbeit zu seinem Bäcker, bestellt Brot und Brötchen und bekommt dies einfach so, ohne zu bezahlen, ohne Gegenleistung. Die Fahrt geht weiter zur nächst gelegenen Tankstelle, da man sonst nicht mehr weit kommen würde. Auf der Fahrt dorthin beißt man schon mal in das Brötchen und regt sich erst einmal darüber auf, dass das heute aber wieder besonders trocken schmeckt. Morgen wird man der Bäckereifachverkäuferin da aber erst einmal ein paar Takte zu erzählen – und vorher, da postet man seinen Ärger auf Facebook.

An der Tankstelle läuft schon die ganze Woche über die Aktion „Tank4Free“, kostenlos auftanken. Toll! Wenn man aber so eine Aktion macht, dann sollte man wenigstens dafür sorgen, dass man mehr als vier Tanksäulen hat. Idioten! Das Warten auf einen freien Tankplatz nervt. Am Ende hat man 15 Minuten dort gestanden – macht man auch nicht wieder, ärgert sich und wird seinen Frust im nächsten Facebook-Post los.

Norbert findet Werbeeinblendungen scheisse. Das diese ihm aber das gratis Lesen ermöglichen vergisst er leider.

Norbert findet Werbeeinblendungen scheisse. Das diese ihm aber das gratis Lesen ermöglichen, vergisst er leider.

Am Ende kommt man dann doch noch zehn Minuten vor der Zeit im Büro an und öffnet erst einmal die regionale und kostenlose Online-Tageszeitung am Computer, um sich einen Überblick über die neusten Nachrichten in der Stadt zu verschaffen. Das Abo der Papier-Tageszeitung ist schon lange abbestellt. Zu teuer und die Informationen veraltet. Aber was ist das? Neben den von Menschenhand geschriebenen Artikeln der Online-Tageszeitung blinkt Werbung auf. Was soll denn das? Das nervt, die sollen das wegmachen. Man möchte doch bitte ungestört und gratis seine Nachrichten lesen dürfen. Vor lauter Ärger darüber macht man was? Na klar, einen wütetenden Facebook-Post absetzen.

Den restlichen Blick auf diesen fiktiven und vom Angebot her teilweise utopischen Tagesablauf, eines in der Gratis-Kultur lebenden Menschen, erspare ich uns nun. Wer dieser Kultur angehört, der sollte einmal nachdenken wie und wer genau die Leistung, die man gerade gratis erhält, finanziert und ob man wirklich das Recht besitzt sich über eine Leistung zu beschweren, die man einfach so, ohne zu bezahlen erhält. Welches Recht Ansprüche zu stellen, hat man denn eigentlich überhaupt?

Die Gratis-Kultur ist ein gewachsenes Phänomen der 90er. Der Zeit, in der das Internet langsam massentauglich wurde. Internetseiten wie „Kostenlos.de“, auf denen aufgeführt war wer seine Produkte im Internet verschenkt, waren sehr beliebt. Verlage fingen ohne nachzudenken an, ihre journalistischen Leistungen kostenfrei ins Netz zu stellen. Unweigerlich züchtete man sich damit die heute von vielen – und nicht nur von mir – gehasste Gratis-Kultur heran. Selbst Schuld also?

Leistung muss bezahlt werden, sonst können die Macher dahinter nicht überleben. Und wer etwas gratis erhält, der sollte sich stets bewusst darüber sein, dass ein anderer für ihn etwas bezahlt hat.

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