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Neujahrsbotschaft der Evangelischen Kirche

1. Januar 2016 von
Symbolfoto: Anke Donner
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Region. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland Heinrich Bedford-Strohm erinnert in seiner Neujahrspredigt an Humanität und menschliche Solidarität. Die Ansprache wird hier unkommentiert und ungekürzt veröffentlicht. 

„Frohes neues Jahr! So rufen wir uns in diesen Tagen zu. Damit sagen wir, dass wir trotz allem, was uns persönlich beschwert oder was und im Hinblick auf den Zustand der Welt Sorgen macht, mit Vorfreude in dieses neue Jahr gehen wollen. Dass wir den Jahreswechsel nicht einfach ignorieren, hat seinen guten Sinn. Wir brauchen Rhythmen im Leben. Am Jahreswechsel zurück- und vorauszuschauen hilft uns bewusster zu leben. Es gibt viel, auf das wir zurückblicken können in diesem Jahr. Das gilt ganz persönlich. Es kann Trauriges sein, wie der Verlust eines Menschen, den wir so sehr vermissen oder es kann Freudiges sein, wie eine neue Liebe oder die Geburt eines Kindes.

Das gilt auch für unser Land und für die Welt. Man muss sich nochmal klarmachen, wie nah das im vergangenen Jahr beieinander lag, was zu beklagen war und wofür wir dankbar sein können. Es gab wahrscheinlich kaum jemanden, dem die Bilder von den zerbombten Städten in Syrien und den weinenden Kindern zwischen Ruinen nicht nahe gegangen sind. Und wir haben Anteil genommen an der Situation der vielen Menschen, die in die Nachbarländer geflohen sind oder sich auf den Weg gemacht haben, um in Europa Zuflucht zu finden. Manchen hier hat das auch Angst gemacht. Vielen hat es Kräfte gegeben, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Was in Deutschland an spontaner Hilfsbereitschaft sichtbar geworden ist, hat die Welt beeindruckt. Die politisch Verantwortlichen und die Zivilgesellschaft haben gemeinsam dafür gesorgt, dass mit dem Namen Deutschland gegenwärtig kaum jemand noch Gewalt und Krieg verbindet, sondern nun Humanität und mitmenschliche Solidarität in den Vordergrund gerückt sind.

Das ist Anlass zu großer Dankbarkeit. Zur Dankbarkeit gehört aber auch die Demut. Es wird in Europa viel mehr Menschen zur Nachahmung ermutigen, wenn wir in Deutschland nicht als die moralischen Lehrmeister auftreten, sondern ganz praktisch zeigen, dass auch bei hohen Zahlen von Flüchtlingen und bei divergierenden religiösen und kulturellen Hintergründen die Integration gelingen kann. Und dass es hierzulande eine beängstigend zunehmende Gewalt gegen Flüchtlingsunterkünfte und ihre Bewohner gibt, zeigt, wie viel bei uns noch zu tun ist, um einer Haltung der Humanität und Nächstenliebe in Deutschland Nachhaltigkeit zu geben.

Wir müssen deutlich machen: Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus heizen die Ängste der Menschen an und sabotieren das Mitgefühl anstatt es zu stärken. Mit Christentum hat das jedenfalls nicht das Geringste zu tun. Lebendiges Christentum heißt für 2016: Verstehen, dass Gottesliebe und Nächstenliebe immer untrennbar zusammengehören. Wahrnehmen, wie gesegnet die meisten von uns in unserem Land sind. Unser Herz öffnen für die, die weniger gesegnet sind, ob sie nun schon immer hier leben oder ob sie neu hierher kommen. Schließlich: aus der Zuversicht leben, die in der Gewissheit gründet, dass wir in dieses Jahr 2016 gehen behütet und getragen von dem Gott, der uns das Leben gegeben hat und der uns jeden Tag begleitet.

Woraus diese Gewissheit lebt, bringt die Jahreslosung für 2016 zum Ausdruck: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes 6,13). Wer die feste Basis kennt, die mit dieser Zusage verbunden ist, der kann anderen zum Jahreswechsel aus vollem Herzen zurufen: Ein frohes und gesegnetes neues Jahr!“

Hinweis: Der EKD-Ratsvorsitzende predigt an Neujahr, 1. Januar 2016, um 10.15 Uhr in der Dresdner Frauenkirche. Der Gottesdienst wird live im ZDF ausgestrahlt.

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