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Uwe Fricke – Rückblick auf zehn Jahre als Ortsbrandmeister

4. Januar 2016 von
Der ehemalige Ortsbrandmeister der Feuerwehr Bad Harzburg, Uwe Fricke, hier mit Landrat Thomas Brych, blickt auf zehn Jahre Dienst zurück. Fotos: Alec Pein, Feuerwehr Bad Harzburg
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Bad Harzburg. Zehn Jahre war Uwe Fricke Ortsbrandmeister der Feuerwehr Bad Harzburg. Zum 31. Dezember gab er dieses Amt nun ab und ist seit dem 1. Januar Kreisbrandmeister für den Landkreis Goslar. Fricke blickt zusammengefasst auf die vergangenen zehn Jahre zurück. 

Im Dezember 2005 trat Uwe Fricke sein Amt als Ortsbürgermeister an. Es folgten zehn Jahre, in denen er nicht nur die Führung der Feuerwehr Bad Harzburg übernahm, sondern auch Zeiten der Veränderungen. Im ersten Teil berichtete Uwe Fricke von dem Neubau des Feuerwehrhauses, von technischen Neuerungen der Wehr und  der Anschaffung neuer Fahrzeuge. Im zweiten Teil seines Resümees berichtet der heutige Kreisbrandmeister von weiteren technischen Anschaffungen, die Gründung der Kinderfeuerwehr und über Projekte und Ideen, die noch nicht umgesetzte werden konnten.

Technische Ausstattung

Gleich zu Beginn der Übernahme der Amtsgeschäfte konnte die bereits vom Ortsbrandmeister Wolfgang Diehr und dem Atemschutzbeauftragten Thomas Keck initiierte Einführung der Überdrucktechnik weiter fortgesetzt werden, so dass zum Jahresende 2007 die Bad Harzburger Feuerwehr komplett auf Überdrucktechnik umgestellt war. In den folgenden Jahren wurden zudem immer mehr Compositflaschen beschafft, dadurch konnte die Gewichtsbelastung der Atemschutzgeräteträger deutlich reduziert werden. Es wurden weiterhin die Chemikalienschutzanzüge ersetzt, so dass derzeit 7 CSA der Feuerwehr Bad Harzburg zur Verfügung stehen. Zur Bewältigung der Verwaltungsarbeit wurde durch den Ortsbrandmeister Im Jahr 2006 eine Access Datenbank zur Einsatzverwaltung programmiert. Diese ging am 1.Januar 2007 an den Start und mittlerweile sind dort 2.099 Einsätze eingegeben. Ausgedruckt entspricht der Datenbestand rund 5.000 Seiten Einsatzberichte. Mit der Fertigstellung des neuen Feuerwehrhauses konnte auch endlich eine adäquate Atemschutzwerkstatt in Dienst gestellt werden, so dass heute fast alle Arbeiten, einschließlich des Füllens der Atemluftflaschen und der gerichtsfesten Prüfung und Dokumentation mit modernen Gerätschaften möglich sind. Neueste Errungenschaft ist eine moderne Prüf- und Kalibrierstation für die Mehrfachmessgeräte.

Die Atemschutzwerkstatt der Feuerwehr Bad Harzburg.

Die Atemschutzwerkstatt der Feuerwehr Bad Harzburg.

Zur Verbesserung bei der Unfallverhütung wurden die signalgelben C- und B-Schläuche bei der Bad Harzburger Feuerwehr eingeführt und die alten Strahlrohre gegen moderne automatische Hohlstrahlrohre ausgetauscht. Ein langwieriges und sehr strittiges Unterfangen war die Beschaffung neuer Schutzkleidung. Die bei der Feuerwehr vorhanden orangene Schutzkleidung entsprach in weiten Teilen nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Brandbekämpfung und wurde sukzessive gegen die schwarze Einsatzbekleidung ausgetauscht. Und da der Sektor Einsatzbekleidung der schnelllebigste Bereich innerhalb der Feuerwehren derzeit ist, wird zukünftig eine noch wirkungsvollere Schutzkleidung in sandfarbenem Design bei den Bad Harzburger Feuerwehr Einzug halten. Hierbei haben sich die derzeitigen Bekleidungswarte der Bad Harzburger Feuerwehr sehr stark ins Zeug gelegt, damit den Einsatzkräften im Stadtgebiet zukünftig eine noch weiter verbesserte Schutzkleidung zur Verfügung steht.

In den Jahren 2014 und 2015 wurde der BOS-Funk komplett auf den Tetrafunk und somit auf Digitalfunk umgestellt. 2015 erfolgte zudem die Umstellung des Einsatzstellenfunks ebenfalls auf Tetrafunk. Hierbei haben sich die Funkbeauftragten Michael Wedde, Karsten Fuchs und Dennis Kronjäger große Verdienste erworben. Für die Verbesserung im Bereich der Vegetationsbrandbekämpfung wurde eine spezielle Ausrüstung, bestehend aus leichten Schläuchen, Löschrucksäcken, speziellen Armaturen und einem 10.000 Liter fassenden Faltbehälter passend zum Waldbrandkonzept beschafft. Im Vorgriff auf den im Jahr 2018 zu beschaffenden Gerätewagen Logistik II wurde im Jahr 2015 damit begonnen, Rollcontainer für spezielle Einsatzlagen zu beschaffen. Bislang konnten zwei Rollcontainer, einmal Wasserschaden und einmal Beleuchtung, in Dienst gestellt werden. Zur Verbesserung der Umkleidemöglichkeiten bei Gefahrguteinsätzen konnte 2012 ein großes Schnelleinsatzzelt beschafft werden.

Innerhalb der letzten 10 Jahre wurde die Mess- und Spürausrüstung immer weiter vervollständigt und dies zum Teil aus privaten finanziellen Mitteln, so dass der Bad Harzburger Feuerwehr und der Kreismessleitung eine adäquate Ausrüstung für Einsätze bei Schadstofffreisetzungen zur Verfügung steht. Die Ausrüstung und das Fahrzeug wurden zudem mehrfach bei Großschadenslagen im Bad Harzburger Stadtgebiet, sowie auch kreisweit eingesetzt.

Der Funkraum der Feuerwehr bad Harzburg.

Der Funkraum der Feuerwehr bad Harzburg.

Ebenso wurde die medizinische Ausrüstung um Notfallrucksäcke, AED-Geräten, einem Spineboard, einer Schaufeltragen, mehreren Stiffneks und zwei Schleifkorbtragen erweitert. Für die Ausbildung wurde eine Reanimationsfamilie beschafft. Ein weiterer technischer Fortschritt war die Beschaffung von umfangreichen Türöffnungsmaterialien, da seit zwei Jahren die Notfalltüröffnung zu einem häufiger vorkommenden Einsatzstichwort gehört. Mit der Beschaffung des Rüstwagens im Jahr 2009 einhergehend wurde zuvor bereits 2008 ein komplett neuer Hydraulik-Rettungssatz mit den damals stärksten Geräten im Wert von 30.000.- Euro beschafft. Damit verfügt die Bad Harzburger Feuerwehr derzeit über zwei komplette Rettungssätze. Als neueste technische Verbesserung wird mit der Auslieferung des neuen HLF 20 ein E-Draulik Rettungssatz zusätzlich Einzug bei der Bad Harzburger Feuerwehr halten. In verschiedenen Aus- und Fortbildungsdiensten hatten die Einsatzkräfte schon genügend Gelegenheit gehabt, sich mit dieser neuen richtungsweisenden Technik zu beschäftigen.

Die materialmäßig umfangreichsten Beschaffungen waren der Umsetzung neuer Unfallverhütungsvorschriften geschuldet. Nachdem sich die Feuerwehr ab einem Meter Arbeitshöhe gegen Absturz zu sichern hat, mussten diverse Materialien im Bereich der Absturzsicherung beschafft werden. Hinzu kam, dass als Folge des Transrapid Unglücks die Betreiber von Seilbahnen etc. ebenfalls neue Sicherheitsvorschriften erfüllen mussten. Damit die Feuerwehr auch dieses Einsatzspektrum, im Fall Bad Harzburg hier speziell die Seilbahnrettung, erfüllen kann, war es notwendig auch hierfür diverse Gerätschaften zu beschaffen. Die Bad Harzburger Feuerwehr gehört somit auch in diesem Bereich neben der Feuerwehr Clausthal-Zellerfeld mit zu den führenden Feuerwehren im Landkreis Goslar.

Zur technischen Ausstattung zählen aber auch noch weitere Dinge, die vornehmlich im Hintergrund zur Anwendung kommen. Dies sind unter anderem die Einsatzverwaltungssoftwarelösungen und die Einrichtung eines serverbasierten Netzwerkes im neuen Feuerwehrhaus der Bad Harzburger Feuerwehr, die im Landkreis Goslar seinesgleichen sucht. Im Gerätewart- und auch im Atemschutzbereich wurden sämtliche Geräte in der EDV erfasst und mit Barcodes ausgestattet. Derzeit ist der Fachbereich Bekleidung dabei, die Einsatzkleidung ebenfalls elektronisch zu erfassen und mit Patches zu kennzeichnen.

Alarmierung per SMS

Arne Bastian und Holger Schlegel vom Förderverein, Kreisbrandmeister Uwe Fricke, Thomas Schmalz (stellvertretender Ortsbrandmeister) und Ortsbrandmeister Markus Hirsch. bei der Übergabe der neunen Wärmebildkamera. Foto: Feuerwehr Bad Harzburg

Arne Bastian und Holger Schlegel vom Förderverein, Kreisbrandmeister Uwe Fricke, Thomas Schmalz (stellvertretender Ortsbrandmeister) und Ortsbrandmeister Markus Hirsch. bei der Übergabe der neunen Wärmebildkamera. Foto: Feuerwehr Bad Harzburg

Nach einem Brand am 27.10.2012 wo es zu erheblichen Alarmierungsproblemen gekommen war, wurde kurze Zeit später auf Intervention des Ortsbrandmeisters die Zusatzalarmierung über SMS-Alarm bei den Bad Harzburger Feuerwehren eingeführt. Des weiteren wurden in den vergangenen Jahren diverse Geräte neu beschafft, hierzu zählen insbesondere die Chiemseepumpen, der Hochhubwagen, die mobilen Rauchverschlüsse und die Leuchtballone. Aber auch für den Ausbildungsbetrieb wurden u.a. zwei Großbildfernseher, mehrere Beamer und die gesamte Lehraalausstattung, sowie Ausrüstungsgegenstände für die Wasserrettung angeschafft. Für kameradschaftliche Veranstaltungen wurden Terrassenmöbel über den Förderverein und diverse Ausrüstungsgegenstände für die Teeküche beschafft. Zu guter Letzt konnte noch über den Förderverein eine weitere Wärmebildkamera beschafft werden, so dass mit der Indienststellung des HLF 20 die Bad Harzburger Feuerwehr über mehrere Wärmebildkameras für die Einsatzleitung, den Angriffstrupp und den Sicherheitstrupp verfügen wird.

Der Lehrsaal bietet Pplatz für etwa 70 Personen.

Der Lehrsaal bietet Pplatz für etwa 70 Personen.

Ausbildung

Eine gute und fundierte Ausbildung ist schon seit Jahrzehnten ein stets gepflegter Standard bei der Bad Harzburger Feuerwehr. Dieser Standard wurde kontinuierlich in den letzten zehn Jahren ausgebaut. So hatten die Kräfte der Einsatzabteilung mehrfach Gelegenheit, aufgrund der guten Kontakte zur Feuerwehr Bremen, dort an Realbrandausbildungen teilzunehmen. In den letzten beiden Jahren wurde diese besondere Ausbildung sogar für alle Feuerwehren im Stadtgebiet direkt am Feuerwehrhaus Bad Harzburg angeboten.

In vielen, oft anspruchsvollen und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeiteten Einsatzübungen war die Führungsgruppe immer bemüht, den Einsatzkräften eine möglichst reale Übungsvorgabe zu bieten. Erinnert werden soll hier nur an die Maipower-Übungen in Bremen und Wilhelmshaven, sowie an die Harzpower-Übung 2008 in Bad Harzburg. Gut bewährt hat sich auch die neu eingeführte gruppenweise Ausbildung zu allgemeinen Feuerwehrthemen wie zum Beispiel der Grundausbildung. Es gab in den letzten Jahren diverse Workshops und Wochenendseminare, wo die Einsatzkräfte ihr Wissen vertiefen konnten. Nicht zu guter Letzt konnten auch schon zweimal Anwenderlehrgänge im Bereich „Einfache Rettung aus Höhen und Tiefen“ für die Feuerwehren in der Stadt Bad Harzburg erfolgreich durchgeführt werden.

Abteilungen und Vereinsgründung

Auf der Grundlage eines verschärften Steuerrechts wurde am 31. Juli 2009 der Förderverein der Bad Harzburger Feuerwehr gegründet. In den Jahren seit Bestehen des Fördervereins konnten somit aus den Beitragsmitteln diverse Anschaffungen in einem Wert von bislang etwa 25.000 Euro getätigt werden. Auch wenn der Förderverein bei dem einen oder anderen Mitglied der Bad Harzburger Feuerwehr eher skeptisch gesehen wird, hat er sich doch zu einem Erfolgsmodell entwickelt und ohne dessen Unterstützung viele Anschaffungen für kameradschaftliche und einsatzrelevante Dinge nicht möglich gewesen wären. Um dem demografischen Wandel und dem daraus resultierenden Mitgliederschwund entgegen zu steuern, wurde am 6.Oktober 2012 die Kinderfeuerwehr „Feuerluchse“ gegründet. Auch die Kinderfeuerwehr hat sich bislang sehr gut entwickelt und stellt nun ein wichtiges Bindeglied innerhalb des Stadtfeuerwehrverbandes dar.

Nicht verwirklichte oder noch nicht abgeschlossene Projekte

Aber es gab und gibt auch nicht verwirklichte Projekte, oder gescheiterte Einführungen von neuen Funktionen innerhalb der Bad Harzburger Feuerwehr. Hierbei ist die Etablierung eines Sicherheitsassistenten im Einsatz- und Ausbildungsdienst zu nennen. Dessen Einführung durch den Ortsbrandmeister erfolgt war, aber aufgrund der fehlenden Akzeptanz innerhalb der Feuerwehr wieder zurück genommen werden musste. Trotz zahlreicher Hinweise in schriftlicher und mündlicher Form, konnte leider bis zur Übergabe der Amtsgeschäfte nicht die von der Feuerwehr aufgeführten Baumängel im und am Feuerwehrhaus beseitigt werden. Auch die Beschaffung eines Einsatzfahrzeuges für den Brandmeister vom Dienst konnte bislang noch nicht realisiert werden, obwohl dies ein beträchtlicher Zeitgewinn insbesondere für die Erkundung bei allen anfallenden Einsätzen wäre und zudem eine deutliche Aufwertung für diesen zusätzlichen ehrenamtlichen Bereitschaftsdienst darstellen täte. In Planung steht aber die Einführung einer First Responder Gruppe, hierzu hat der zukünftige Ortsbrandmeister Markus Hirsch bereits angekündigt, eine Planungsgruppe einzurichten. Und zu guter Letzt konnte bislang aus Zeitgründen die Errichtung eines Gedenksteines für die verstorbenen Feuerwehrangehörigen am Schlauchturm noch nicht abgeschlossen werden.

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