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40. Goslarsches Pancket: Ein letzter Auftritt als Außenminister

9. März 2018 von
Im Dialog: Noch-Außenminister Sigmar Gabriel (l.) und Siemens-Chef Joe Kaeser. Fotos: Nick Wenkel
Goslar. Rund 200 Gäste aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien trafen heute zum traditionellen Goslarschen Pancket in der Kaiserpfalz zusammen. Unter anderem mit dabei: der diesjährige Ehrengast Joe Kaeser, Vorstandvorsitzender der Siemens AG und Sigmar Gabriel, für den es gleichzeitig der letzte offizielle Auftritt als Vize-Kanzler und Außenminister war.

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Das Goslarsche Pancket geht auf einen Brauch der hansischen Kaufleute aus dem Mittelalter zurück und findet seit mittlerweile mehr als 40 Jahren statt. Als Veranstaltung der städtischen Wirtschaftsförderung bietet das Pancket die Plattform zur Vertiefung bestehender Kontakte und die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Neben der Bremer Schaffer-Mahlzeit und dem Matthaei-Mahl in Hamburg hat es im norddeutschen Raum überregionale Bedeutung erlangt. Insbesondere auswärtige Gäste sind von der einzigartigen Atmosphäre im Festsaal begeistert. Glanzpunkt des Abends ist der mittelalterliche Schmaus, zubereitet nach Originalrezepten eines der ältesten in Deutschland erschienen Kochbücher von M. Marxen Rumpolt, Churfürstlich Meintzischen Mundtkoch – mit römisch kaiserlicher Maiestat spezial Privilegio – im Jahre 1587.

Lobeshymnen von Oberbürgermeister Junk

Unter den 200 Gästen war am heutigen Freitagabend auch eine Person vertreten, die in den vergangenen Wochen nicht nur regional, sondern vor allem auch bundesweit für zahlreiche Schlagzeilen sorgte – Sigmar Gabriel. Der Noch-Bundesaußenminister hatte erst gestern offiziell erklärt, nicht mehr im neuen Bundeskabinett vertreten zu sein. Vorausgegangen war ein parteiinterner Disput mit der SPD-Spitze, der Gabriel Wortbruch vorwarf. Einer, der aber voll des Lobes für Sigmar Gabriel ist, ist ausgerechnet ein CDU-Politiker, nämlich Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk. In seiner Rede richtete er persönliche und vor allem lobende Worte an den Ex-SPD-Chef aus.

Sigmar Gabriel, Dr. Oliver Junk und Joe Kaeser (v.l.).

„Schmerzlich und grob falsch“

Die Meldung, dass Gabriel nicht mehr der neuen Bundesregierung angehören werde, sei für Goslar in den vergangenen Tagen zwar nicht überraschend gewesen, aber sie sei schmerzlich und aus Sicht des Oberbürgermeisters „grob falsch“. Dabei kritisierte Junk vor allem die SPD-Führung. „Es spricht weder für Klugheit, noch für Weitsicht und bringt schon gar nicht Verantwortung für das Land zum Ausdruck, wenn die SPD-Parteiführung, die ja im Übrigen das eigene Können von Parteiführung noch nicht unter Beweis gestellt hat, einen der wenigen richtig guten Spieler, die die SPD auf Bundesebene noch hat, aus der Mannschaft nimmt“, kritisiert Goslars Oberbürgermeister das Handeln der Sozialdemokraten. „Sie haben bei einer Tasse Tee in Hahndorf jedenfalls mehr erreicht, als einige ihrer (noch) Kabinettskollegen in ihrer ganzen Amtsperiode“, lobte Junk den Noch-Vizekanzler.

Goslar Oberbürgermeister bei seiner Rede in der Kaiserpfalz.

Ein „ganz großartiger Goslarer“

Aber nicht nur als Außenminister sei Gabriel großartig gewesen, er sei insbesondere ein „ganz großartiger Goslarer“. Dies zeige sich laut Junk auch daran, dass Gabriel maßgeblich dafür verantwortlich sei, dass man Siemens-Chef Joe Kaeser auf dem heutigen Pancket begrüßen durfte. Junk abschließend: „Danke dafür, danke für ihre Arbeit – für unser Land, für unsere Stadt. Sehr geehrter Herr Minister, wir werden in Goslar noch hinreichend Gelegenheit finden, uns bei Ihnen angemessen zu bedanken – da bin ich ganz sicher. Lieber Herr Gabriel, greifen Sie weiter an, in Berlin oder an anderer Stelle – Hauptsache nicht mich, darf ich mit einem Augenzwinkern anfügen.“

Ein Herold und ein Außenminister.

Ein Dank an den Siemens-Chef

Tradition beim Goslarschen Pancket hat auch jährlich die Einladung eines Ehrengastes aus Politik oder Wirtschaft. So fanden in den vergangenen Jahren bereits Helmut Schmidt, Gerhard Schröder und Dr. Arend Oetker den Weg nach Goslar. In diesem Jahr konnte Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, als Ehrengast gewonnen werden. Darüber freute sich vor allem Goslars Oberbürgermeister. „Es sind Unternehmerpersönlichkeiten wie Sie, denen die Stadt Goslar die positive Entwicklung verdankt, und ich nutze diesen Abend deshalb sehr gerne, Ihnen, den Unternehmerinnen und Unternehmer in dieser Stadt, für Ihre Tatkraft und Ihren Fleiß zu danken“, erklärte Junk in seiner Begrüßungsrede.

Sigmar Gabriel (l.) verfolgt die Rede von Joe Kaeser.

Der „Lebensnerv“ der Stadt

Der Oberbürgermeister blickte dabei aber vor allem auch auf die Wirtschaftsentwicklung vor der eigenen Haustür. Mehr als 21.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in der Stadt Goslar und über 11.000 Einpendler jeden Tag seien beeindruckende Zahlen für den Mittelstadt und eine Chance auf 11.000 weitere Neubürger und ihre Familien. Gleichzeitig kündigte er an sich auch in Zukunft für den wirtschaftlichen Aspekt der Stadt Goslar stark machen zu wollen. „Rat und Verwaltung werden weiter den Rahmen dafür geben, dass die Stadt Goslar starker Knotenpunkt des Handels, der Dienstleistungen und attraktiver Standort der Wirtschaft bleibt.“ Junk beschrieb die Wirtschaft als Lebensnerv für die Stadt Goslar.

Die Antwort auf die Kritik

Nachdem Dr. Oliver Junk gemeinsam mit Martin Deutsch (Vorstandsmitglied Einbecker Brauhaus) und Ehrengast Joe Kaeser den traditionellen Bieranstich vornahmen, durfte der Siemens-Chef dann selbst ans Rednerpult. Auch Kaeser hatte nur lobende Worte für Außenminister Sigmar Gabriel übrig. „Manchmal muss der beste Spieler vom Feld gehen, weil er später sein Team als Trainer zum Sieg führen muss“, verglich der Siemens-Chef den Abschied von Gabriel. Nachdem Joe Kaeser die 200 Gäste auf wirtschaftliche Zeitreise mitnahm, kam er auch auf die Kritik zu sprechen, die im Vorfeld des Panckets aus der Bevölkerung und der kommunalen Politik laut wurde. Sie bezog sich auf die Streichung von etwa 2.600 Arbeitsplätze der Siemens AG in Deutschland. Auch Kaeser bedaure diese Entlassung. Viel wichtiger sei es nun allerdings, alles dafür zu tun, dass die Menschen, die ihren Job verlieren, bestmöglich auf die berufliche Zukunft vorbereitet werden. Dafür will der Siemens-Chef alles Mögliche unternehmen. Er versicherte abschließend: „Sie können mich beim Wort nehmen.“

Beim traditionellen Fassanstich: Goslars Herold, Joe Kaeser, Martin Deutsch und Dr. Oliver Junk (v.l.).

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