Auf den Spuren der Braunschweiger „Brotinsel“ in Afrika

10. August 2018 von
Die Kinder in Kenia freuen sich über Hilfe aus Deutschland. Foto: Ehepaar Stein
Wolfsburg. Das Wolfsburger Ehepaar Almut und Christoph Stein befinden sich auf einer fünfwöchigen Reise in Ostafrika, um schulische und private Entwicklungsprojekte aus dem Raum Braunschweig-Wolfsburg zu dokumentieren.

Dabei besuchten die Beiden Kenia. Abseits der Touristenwege entdeckten sie auch Zeugnisse von Hilfsprojekten aus unserer Region. Auf einem Wassertank neben einer Grundschule in Kenia liest man zum Beispiel die folgende Beschriftung:

This watertank was constructed by the parents of Kasooni Primary School and funded by Brotinsel-Vollkornbäckerei; organic bakery in Brunswick/Germany (Dieser Wassertank wurde gebaut von den Eltern der Kasooni Grundschule und gespendet von Brotinsel-Biobäckerei in der Stadt Braunschweig/Deutschland).

Wie kommt die Braunschweiger Brotinsel nach Afrika?

Die Bäckerei erklärt: Während hierzulande manche noch am Klimawandel zweifeln, habe er in weiten Teilen Afrikas drastisch zugeschlagen. So könnten in Kenia viele Mädchen nicht zur Schule gehen, weil sie über weite Entfernungen Wasser holen müssten. Nach afrikanischer Tradition ist das Wasser-Holen Aufgabe der Frauen. Aber warum die Mädchen? Infolge des Klimawandels ist wieder einmal eine Regenzeit ausgefallen. Die durchschnittliche Wasserhol-Entfernung hat sich von acht Kilometern (acht hin und acht zurück) auf 16 Kilometer einfache Strecke verdoppelt. Die Frauen gehen also morgens mit ihren Eseln gut vier Stunden die circa 16 Kilometer zur Wasserstelle. Dort müssen sie in der Regel etwa eine Stunde warten, bis sie an der Reihe sind. Das Wasser wird dann mit kleinen Schöpfgefäßen in die Plastikkanister geschöpft, was wiederum etwa eine knappe Stunde dauert. Für den Rückweg benötigen die Frauen, weil die schwer beladenen Esel in der Nachmittagshitze langsamer gehen, etwa sechs Stunden: Das macht zwölf Stunden nur für das Wasserholen. Da die Frauen nun keine Zeit mehr für ihre übrigen Aufgaben haben – Holz zu sammeln, das Feld zu bestellen, Tiere zu füttern und zu melken, Wäsche zu waschen, zu kochen – wird die Generation der 12 bis 16-jährigen Mädchen jeden zweiten Tag aus der Schule genommen, um sie Wasser holen zu lassen.

Doch es gebe eine Lösung für dieses Problem. Wenn es gelingen könnte, während der kurzen aber manchmal heftigen Regenzeit, Regenwasser aufzufangen und für die Trockenzeit zu speichern, dann könnten die Mädchen zur Schule gehen, anstatt Wasser holen zu müssen. Der günstigste Ort, Regen aufzufangen, seien die großen Dächer der Schulen. Wenn man also alle Schuldächer mit besonders großen Dachrinnen versehen und direkt neben der Schule einen großen Wassertank bauen würde, könne man dort das Regenwasser für die Trockenzeit speichern. So eine Vorrichtung nennt man einen „Dachregenfang“.

Hilfe zur Selbsthilfe

Der Verein „Wasser für Kenia e.V.“ zum Beispiel führt solche „Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekte“ in Kenia durch. Dabei zahlt der Verein aus deutschen Spenden nur das Baumaterial und die Anleitung durch ausgebildete Handwerker und einen Wasserbauingenieur. Gebaut wird unter Anleitung von einheimischen Handwerkern durch die Eltern der Schulkinder.

Aber: Das Baumaterial, das über weite Strecken auf unwirtlichen Wegen heran transportiert werden muss, ist sehr teuer. Der Bau eines großen 50-Kubikmeter-Tanks mit 90 Metern Dachrinnen, Rohren, Wasserhähnen und so weiter kostet etwa 10.000 Euro. Bei der Suche des Vereins nach potentiellen Spendern, stieß er auf die Brotinsel. Die beiden Geschäftsführer, die Herren Christian Sommer und Andreas Kröhl zeigten sich verantwortungsbewusst und spendeten einen ganzen Wassertank, der jetzt vom Ehepaar Stein in Kenia eingeweiht wurde. So können 150 Mädchen in Zukunft zur Schule gehen, anstatt Wasser holen zu müssen: „Brotinsel – company with social responsibility!“

Almut und Christoph Stein haben selbst einen Reisebericht eingeschickt:

„Heute, Mittwoch den 9.August 2018, ist ein ganz besonderer Tag. Wir fahren zur Kasooni Primary School, um den Wassertank, gespendet von der „Brotinsel“, einzuweihen. Der Weg dorthin geht eineinhalb Stunden über eine staubige Holperpiste. Endlich sind wir da. Obwohl die Kinder Sommerferien haben, haben sie sich wohl vollzählig zu diesem besonderen Anlass in ihrer Schuluniform eingefunden. Mit Gesang werden wir am Eingangstor empfangen. Im Rhythmus dieses Willkommensliedes bewegen wir uns auf den Wassertank zu. Die Inschrift ist noch unter einem blauen Vorhang verborgen, der von uns nach dem Gebet des Priesters beiseite gezogen wird. Langsam lesen wir die Inschrift vor und erklären das Wort Brotinsel. Nach einem weiteren Gebet wird der Tank mit Wasser geweiht. Es ist alles sehr feierlich, und während des Einweihungsvorgangs ist es so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Wir dürfen ein Bäumchen pflanzen und die Schlüssel für den Wassertank überreichen. Nun beginnen die Schüler-Darbietungen, bestehend aus rhythmischen Gesängen, die alle das Thema Wasser zum Mittelpunkt haben. Die sich anschließenden Reden sprechen von tiefer Dankbarkeit. John Mutua, der Programmdirektor unserer kenianischen Partnerorganisation (Anglican Development Services Eastern), sprich einen Punkt besonders an, den der Verantwortung für die Instandhaltung des Wassertanks und Verantwortung für die Kinder und deren schulische Erziehung. Unsere Worte werden von John in die Sprache der hier lebenden Kamba übersetzt und dankbar aufgenommen. Nachdem viele Fotos geschossen wurden, bekommen wir beide die Kamba-Namen „Mwendwa“ und „Mwende“, was in der Kambasprache „Lieber“ und „Lebe“ bedeutet. Lautstark werden wir verabschiedet. Besonders die Kinder möchten uns immer wieder anfassen.“

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