Georadarmessung des Domplatzes zeigt Grundriss der Stiftskirche

14. Juni 2019
Bei der Georadarmessung wurde mit einer Messsonde der gesamte Parkplatz Stück für Stück abgefahren. Foto: Stadt Goslar
Goslar. Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Kaiserpfalzquartiers wurde Ende März der Untergrund im Bereich des Domplatzes sowie auf dem Parkplatz Kaiserpfalz Süd mittels Georadarmessungen untersucht. Die Ergebnisse liegen nun vor und lassen die Herzen der Denkmalschützer höher schlagen. Dies berichtet die Stadt Goslar in einer Pressemitteilung.

„Man kann der Stadt Goslar nur gratulieren. Wir haben ein Reichsstift gefunden“, sagt Dr. Michael Geschwinde vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. „Als Baudenkmal verschwunden, als archäologisches Denkmal perfekt erhalten.“ Der Fund sei gleich in mehrfacher Hinsicht erstaunlich. Zum einen könne man ganz deutlich den Grundriss der Stiftskirche erkennen, während bei anderen Messungen nur verschwommene Linien zu sehen seien, so der Fachmann. Außerdem habe niemand damit gerechnet, dass überhaupt noch Grundmauern in diesem Ausmaß im Untergrund vorhanden sind.

Stiftskirche wurde durch Zufall entdeckt

In den frühen 1970er Jahren wurde der heutige Kaiserpfalzparkplatz an der Stelle angelegt, wo vor 1050 die Stiftskirche St. Simon und Judas – auch als Goslarer Dom bezeichnet – entstand. Wegen Baufälligkeit sei sie 1820 „auf Abbruch“ verkauft worden. Erhalten blieb nur die nördliche Domvorhalle. Laut Geschwinde habe der hochdekorierte Architekt, Autor und Chronist Hans-Günther Griep, auf den auch er sehr große Stücke halte, seinerzeit festgehalten, die Grundreste der Kirche seien durch die Bauarbeiten und den einen Meter tiefen Aushub beseitigt worden. Umso überraschter hätten sich die Denkmalschützer gezeigt, als bei einer klein angelegten Georadarmessung 2018 Fundamente auftauchten. Die Domvorhalle hätte einen kleinen Wasserschaden gehabt und eigentlich wollte man mit der Messmethode die Wasseradern anzeigen. Dr. Geschwindes Neugier war geweckt, er organisierte Fördermittel für eine großangelegte Georadarmessung. „Herausgekommen ist etwas, womit, glaube ich, niemand hätte rechnen können“, erzählt der Archäologe.

Bei der Georadarmessung werden mittels einer Messsonde auf einem Schlitten vertikale Aufnahmen des Untergrundes gemacht. Erst am Computer würden sie in mehreren Schichten zu horizontalen Bildern zusammengesetzt werden. „Man sieht nur Anomalien“, erläutert Dr. Geschwinde. Diese müssten erst interpretiert werden. In 50 Zentimeter Tiefe tauche langsam die Stiftskirche auf, werde in den nächsten Schichten noch deutlicher. Zu erkennen seien unter anderem die Krypta mit drei Nischen und der Eingang sowie unterirdische Mauern, auf denen die Säulen gestanden haben. Der Keller der Stiftskurien habe außerhalb des Kirchengebäudes selbst gelegen. Ab 50 Zentimetern Tiefe zeichne sich das Westwerk mit den Türmen ab. Sogar das Treppenhaus sei deutlich zu sehen, ebenso der Kreuzgang.

Einschränkungen für die Umgestaltung des Domplatzes

Bei 1,10 Meter würden sich die Bilder langsam auflösen. „Die Überreste beginnen bei 50 Zentimetern und gehen bis 1,40 Meter und tiefer hinunter“, erläutert Dr. Geschwinde. „Das ist ein Bodendenkmal von nationaler Bedeutung.“ Die Messung liefere einen viel besseren Einblick als man es aus den historischen Plänen rekonstruieren könne. So erfreulich dieser Fund ist – er bedeutet gleichzeitig für die Umgestaltung des Domplatzes gewisse Einschränkungen. Die Mauern freizulegen würde nicht nur Kosten in Millionenhöhe verursachen, es sei zum Erhalt auch nicht ratsam, so der Fachmann. Bei den Mauern handle es sich nämlich oftmals um nicht vermörtelte Kalksteinmauern in Lehm. Bei einer Freilegung gebe es daher kaum eine Chance, sie sichtbar zu machen und gleichzeitig zu sichern.

Die Archäologen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege haben die verschiedenen Tiefenschichten übereinandergelegt, Drainage und Versorgungsleitungen „herausgerechnet“. Heraus kommt der Grundriss der ehemaligen Stiftskirche. Grafik: NLD

Selbst Bäume seien laut Geschwinde ein Problem, weil ihre Wurzeln die unterirdischen Mauern beschädigen könnten. Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk habe sich dennoch zuversichtlich gezeigt, dass der Domplatz so umgestaltet werden könne, dass es seiner historischen Bedeutung gerecht werde. „Richtig ist: Wir werden nicht über eine Bebauung auf dem derzeitigen Parkplatz sprechen.“ Der Landschaftsarchitekturwettbewerb, den die Stadt gerade startet, werde neue Ideen bringen. Für die andere Hälfte des Kaiserpfalzquartiers, die Investor Hans-Joachim Tessner mit Hotel, Tiefgarage und Multifunktionshalle entwickelt, habe Tescom-Geschäftsführer Holger Holste weitergehende Bodenuntersuchungen angekündigt. Der Bereich des Erzholntores, das früher südöstlich des Amtsgerichts stand, sei bereits unter die Lupe genommen worden. Bei der Umgestaltung gehe man aber dicht an die nun wiederentdeckten Stiftskurien heran und eine Überraschung beim Bau wolle man vermeiden, erläuterte Holste.

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