Goslarer Netzwerk gegen häusliche Gewalt tagt im Cineplex

8. November 2019
Jill Wildmann, Florian Wildmann und Günter Koschig stehen neben den Tafeln, die von Vera Tietz, Viktoria Dewald, Eva Römling-Wasserthal und Anne Panter erstellt wurden. Foto: Björn Heinke
Goslar. Das Goslarer Netzwerk gegen häusliche Gewalt hat den fünften Fachtag diesmal im Cineplexkino, kostenlos von Jill und Florian Wildmann zur Verfügung gestellt, erfolgreich mit einem spannenden Programm ausgerichtet. Das Goslarer Netzwerk gegen häusliche Gewalt berichtet in einer Pressemitteilung.

Landrat Thomas Brych eröffnete den Fachtag und dankte zunächst den Netzwerkakteuren vom AWO-Kreisverband Region Harz e.V.: Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt im Landkreis Goslar (BISS), Goslarer Frauenhaus e.V., der Polizeiinspektion Goslar, Weißen Ring, Deutschen Kinderschutzbund e.V. Goslar, Amtsgericht Goslar, Kinderschutz Landkreis Goslar, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Goslar sowie der Städte Goslar und Bad Harzburg und der Asklepiosklinik. Dem Ex-Polizeichef Brych liegt dieses Thema auch als Landrat immer noch sehr am Herzen: „Häusliche Gewalt ist kein Randphänomen, trotz verbesserter Strafverfolgung gibt es zu viele Opfer. Gerade auch im Interesse der Kinder müssen wir alle Zivilcourage zeigen und die Taten öffentlich machen“.

Das Thema „ProBeweis“: „Anonyme Beweissicherung im Kontext häusliche Gewalt“ und die Arbeit der Kinderschutzambulanz der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) waren die zentralen Themen der Referentin Prof. Dr.med. Anette Solveig Debertin von der Medizinischen Hochschule in Hannover, die 250 fachkundige Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Cineplex bewegten.

Moderator Günter Koschig,Prof. Dr. Annette Solveig Debertin, Landrat Thomas Brych und Gaby Drost von Demokratie Leben Foto: Birgit Polzin / Landkreis Goslar

Ein landesweites Netzwerk

Die sympathische Referentin stellte im ersten Fachvortrag die Realisierung einer landesweiten Struktur zur verfahrensunabhängigen Beweissicherung für von häuslicher und sexueller Gewalt Betroffene vor. Sie dankte der Asklepiosklinik, die seit drei Jahren dem landesweiten Netzwerk angehört und das ProBeweis Verfahren – ein Beweissicherungsverfahren, bei dem das Opfer Polizei oder Justiz einschalten muss – durchführt.

Der Moderator des Fachtages, Günter Koschig vom WEISSEN RING, bedankte sich bei Prof. Dr. Debertin für das sehr empathisch vorgetragene Referat mit einer kleinen Engelsfigur und den Worten: „Sie sind mit ihrem ProBeweis Angebot ein Segen für alle Opfer häuslicher Gewalt, die damit auch später gegen den Täter vorgehen können.“ Im zweiten Vortrag informierte Prof. Dr. med. Debertin über ihre Arbeit aus der Kinderschutzambulanz. Sie erläuterte anhand zahlreicher Beispiele aus ihrer Praxis, wie man eine Kindesmisshandlung aus medizinischer Sicht erkennt und wie sie bei Anfragen aus ganz Niedersachsen mit ihrem Team der MHH Hilfestellung gibt. Eine Teilnehmerin des Fachtages brachte es nach den bewegenden Ausführungen der großartigen Medizinerin unter dem Beifall aller auf den Punkt: „Prof. Dr. Debertin ist der Hammer“.

Abschließend kam noch einmal Bewegung auf die Kinobühne: Jill und Florian Wildmann gaben praktische Einblicke in die Selbstverteidigungssysteme Krav Maga und Kalah. Beide machten deutlich, dass Selbstverteidigung auch Selbstbewusstsein fördert und die Fähigkeit steigert, Gefahrensituationen zu erkennen bzw. zu meiden.

Anne Panter realisierte ein Graphic Recording, zeichnete also die Inhalte und Eindrücke der Vorträge nach. Im Nachgang wird eine Broschüre erstellt, welche die Thematik unter anderem in Schulen und bei Fortbildungen und letztlich in der alltäglichen Arbeit zu Aufklärungszwecken eingesetzt werden kann. Das Graphic Recording wurde über Gaby Drost durch Mittel der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Goslar realisiert.

Kinochef Florian Wildmann stellt mit Jill Wildmann Selbstverteidungsarten vor. Foto: Goslarer Netzwerk

Hilfe für Betroffene

Das Thema häusliche und sexuelle beziehungsweise sexualisierte Gewalt ist nach wie vor ein großes gesellschaftliches Phänomen. So hatte die BISS im Jahr 2019 bis dato 215 Kontakte aus dem Einzugsgebiet der Polizeiinspektion Goslar.

Die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt im Landkreis Goslar (BISS) berät kostenlos und vertraulich von häuslicher Gewalt Betroffenen Personen in den Räumen des AWO-Kreisverbandes Region Harz e.V. in der Bäringerstraße 24/25 in Goslar.

Sprechzeiten der BISS: Mo-Mi von 10:00 bis 12:00 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 05321 313931

Außerhalb der Sprechzeiten der BISS und in dringenden Fällen haben Betroffene die Möglichkeit sich an das Goslarer Frauenhaus zu wenden, welches auch Kontakte zur BISS vermittelt. Betroffene Frauen erhalten im Goslarer Frauenhaus ebenfalls ambulante Beratung, auch wenn keine Aufnahme im Frauenhaus erwünscht ist. Auch bei polizeilicher Wegweisung des Gewaltverursachers, können betroffene Frauen im Frauenhaus aufgenommen werden.

Das Goslarer Frauenhaus ist zu jeder Tages- und Nachtzeit unter Tel.: 05321 306132 erreichbar.

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