Julia Hamburg: Kinder mit Sprachförderbedarf haben das Nachsehen

1. März 2019
Symbolbild: Sandra Zecchino
Goslar. Das Land Niedersachsen habe mit der Novellierung des Gesetzes über Tageseinrichtungen für Kinder (KiTaG) Mitte 2018 die Zuständigkeit für die Sprachförderung vor der Einschulung auf die Kindertagesstätten übertragen. Nun kritisiert Julia Willie Hamburg das überstürzte Vorgehen der Landesregierung. Dies teilt das Büro von Julia Willie Hamburg mit.

„Mit der überstürzten Verlagerung der vorschulischen Sprachförderung von den Grundschulen an die Kitas falle die gezielte vorschulische Sprachförderung in diesem Jahr weitgehend aus. Die Landesregierung habe auf die Kritik der Verbände und den Grünen nicht gehört – jetzt baden es die Kinder mit Sprachförderbedarf aus“, kritisiert Julia Willie Hamburg, Landtagsabgeordnete der Grünen. Das hätten eine Befragung der Landesregierung im Landtag am Freitag, 1. März und die zahlreichen Besuche bei Kitas in der Region die letzten Monate deutlich gemacht.

„Desaster war absehbar“

Grundsätzlich sei es richtig, dass die Sprachförderung im Jahr vor der Einschulung in den Kitas durchgeführt werde und nicht, wie bisher üblich, in den Schulen, erklärte Hamburg. Die Landesregierung habe aber die Übertragung im vorigen Jahr völlig übers Knie gebrochen. „Erst am 22. Juni hat der Landtag das geänderte Kita-Gesetz beschlossen und schon am 1. August sollten die Kindertagesstätten mit der Sprachförderung beginnen. Es war von Anfang an klar, dass das nicht machbar ist“, so Julia Hamburg. „Das Desaster war absehbar.“ Kultusminister Tonne habe großen Zeitdruck gemacht, um die Unterrichtsversorgungsstatistik für die Grundschulen aufzuhübschen, aber die notwendigen Rahmenbedingungen für die Kitas habe er nicht geschaffen. „Damit hat er den Druck auf die Erzieherinnen verlagert. Vor den Folgen für die Kinder verschließt er die Augen,“ ärgert sich die Abgeordnete.

In der Fragestunde sei deutlich geworden, dass bis heute viele örtliche Träger der Kinder- und Jugendhilfe die notwendigen Sprachförderkonzepte nicht erarbeitet haben und nicht ausreichend zusätzliches Personal einstellen konnten. „Die Landesregierung selbst hat die notwendige Verordnung zu den Anforderungen an die regionalen Sprachförderkonzepte noch immer nicht vorgelegt. Auf welcher Grundlage sollen dann die Kommunen und die Kitas ihre Sprachförderkonzepte erstellen? Anderen straffe Zeitpläne abverlangen und selbst nicht liefern, das ist ein Armutszeugnis des Kultusministers“, stellt Julia Hamburg fest.

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