Anzeige

Kinokritik: Abgeschnitten – Schocker ohne Gnade

12. Oktober 2018
Im Cineplex Goslar lädt "Abgeschnitten" zum Gruseln ein. Foto: Anke Donner
Goslar. Seit dem 11. Oktober läuft "Abgeschnitten", die Verfilmung des gefeierten Buches von Sebastian Fitzek, im Cineplex Goslar. Ein seltener Fall von Thriller aus Deutschland. Geht der Traum vieler Fitzek-Fans mit diesem Streifen in Erfüllung? regionalHeute.de hat sich den Film angesehen.

Regisseur Christian Alvart ist ein thrillererfahrener Mann. Mit „Tschiller: Off Duty“  hat Alvart schon den traditionellen Tatort modernisiert und als kompromissloses Action-Kino inszeniert. Kompromisslos – das trifft auch auf „Abgeschnitten“ ohne Frage zu. Alvart überlässt so gut wie nichts der Fantasie. Vor abgetrennten Gliedmaßen, literweise Blut oder dem menschlichen Körper von innen kann sich der Zuschauer nur retten, indem er für gleich mehrere Minuten die Augen schließt. Das ist jedoch nicht zu empfehlen, denn „Abgeschnitten“ ist sehr sehenswert. Trotz der recht langen Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden gibt es für die Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu als Paul Herzfeld, Fahri Yardim als Hausmeister Ender und Jasna Fritzi Bauer als Comiczeichnerin Linda kaum eine Atempause zwischen den Dünen von Helgoland.

Zu den Darstellern: Moritz Bleibtreu und Fahri Yardim sind einem breiten Publikum sicherlich nicht durch Thriller bekannt. Bleibtreu erlangte seinen Ruhm einst in „Lammbock“ als Pizza-Bäcker mit speziellen Zutaten und Yardim glänzt mit staubtrockenem Impro-Humor in „jerks“ an der Seite von Christian Ulmen. Aber: Beide kommen mit ihren ernsten Rollen hervorragend zurecht und können durch ihr humoristisches Talent teilweise sogar für Auflockerung sorgen. Leider wird Yardim im letzten Drittel des Films durch das Drehbuch in seinem Können stark begrenzt. Die Schweizerin Jasna Fritzi Bauer gilt mit 29-Jahren nicht unbedingt mehr als Newcomer, war aber bislang eher in TV-Produktionen zu sehen. Zu unrecht, denn die große Leinwand füllt sie mit ihrer Angst aber auch mit ihrem Mut gut aus. Es ist an Bauer, mehrmals über ihren Schatten zu springen und Skrupel abzulegen. Dabei ergeht es ihrer Figur Linda wie dem Zuschauer, der erst nicht hinsehen will und dann die Augen doch nicht vom schaurigen Geschehen abwenden kann. Mag „Abgeschnitten“ mit seinen ständigen Twists auch manchmal überambitioniert und überinszeniert wirken und seinem Zuschauer wirklich viel abverlangen: Wer die Nerven hat, ist bei diesem Film genau richtig.

Zum Film

Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet bei einer Autopsie im Kopf einer Leiche einen Zettel mit einer Telefonnummer darauf, der Handynummer seiner Tochter Hannah. Sie führt ihn in ein perfides Spiel um Leben und Tod. Dem Leben und Tod von Hannah. Einer Spur aus Leichen folgend ist er gezwungen die junge Comiczeichnerin Linda um Hilfe zu bitten. Denn der nächste Hinweis findet sich nicht etwa in seiner Heimatstadt Berlin, sondern auf der von einem Sturm von der Außenwelt abgeschnittenen Insel Helgoland. Gemeinsam mit dem Hausmeister Ender macht sich Linda, von Herzfelds verzweifeltem Bitten getrieben, an die erste Autopsie ihres Lebens. Doch nicht nur diese ist in dem verlassenen Keller der Inselklinik verstörend. Auch der Entführer und Killer scheint sich auf der fast menschenleeren Insel zu befinden… und zugleich Herzfeld auf dem Festland in Schach zu halten. Der hat sich die Neugier und den schnellen Wagen von seinem eingebildeten, neureichen Hipster-Schnösel-Praktikanten Ingolf zunutze gemacht. Hinweis für Hinweis kommen sie der Lösung des Rätsels auch dort auf die Spur – und scheinen in dem perfekt geplanten, von Hass getriebenen Netz doch dazu verdammt, Herzfelds Tochter nicht mehr rechtzeitig erreichen zu können.

Trailer

Kritik

Nach dem Film sprach regionalHeute.de mit den Zuschauern. Ihre Meinung gibt es im Podcast.

Wir sagen: Der Film macht es dem Zuschauer nicht leicht, aber das macht er zurecht so. Nur durch die klare, auch brutale, Inszenierung können wir uns wirklich so fühlen wie Paul Herzfeld auf seiner verzweifelten Suche nach seiner Tochter. Wir trauen uns nicht, unseren nächsten Urlaub auf Helgoland zu verbringen. Was dem Film fehlt, ist ein vielschichtiger Bösewicht und ein wirklich rundes Ende, was nicht so viele Fragezeichen hinterlässt. „Abgeschnitten“ zeigt, das auch deutscher Horror abseits von „Halloween“ und „Es“ funktionieren kann. Auf ins Kino und Angst haben.

Wir vergeben 4 von 5 regionalHeute.de-Punkten

Medienpartner
Anzeigen
Kontakt zur Redaktion
Sie erreichen unsere Redaktion 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche per
E-Mail: goslar@regionalheute.de
und montags bis freitags von 9 Uhr bis 17.30 Uhr per
Telefon 05331 / 88 27-26
Anzeigen
Telefonnummern
Apotheken-Notdienst: 22 8 33
Ärztlicher Notdienst: 116 117
Elterntelefon: 0800 111 0 550
Feuerwehr-Notruf: 112
Kartensperrungs-Notruf (für alle): 116 116
Kinder- und Jugendtelefon: 0800 / 111 0 333
Polizei-Notruf: 110
Rettungsdienst-Notruf: 112
Telefonseelsorge (evangelisch): 0800 / 111 0 111
Telefonseelsorge (katholisch): 0800 / 111 0 222
Weisser Ring Opfertelefon: 116 006