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Leere Talsperren: Krisensitzung um knappes Trinkwasser

7. September 2018
Der Oderteich. Bei diesem Bild wird das Ausmaß der Trockenheit sehr deutlich. Fotos: Harzwasserwerke
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Goslar. Aufgrund der aktuellen Vier-Wochen-Wetterprognose des Deutschen Wetterdienstes bereiten sich die Harzwasserwerke ab sofort auf weiterhin ausbleibenden Regen vor.

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Zusammen mit dem Umweltministerium und dem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden bereits Sofortmaßnahmen umgesetzt und weitere Maßnahmen vorbereitet, um die Trinkwasserversorgung von rund zwei Millionen Menschen in Niedersachsen auch im schlechtmöglichsten Fall zu garantieren. „Wir bereiten uns jetzt für den Ernstfall vor, dass neben der Rekorddürre dieses Jahr auch der kommende Winter und das darauffolgende Jahr nur unterdurchschnittliche Niederschläge bringen könnten und wir damit ein sogenanntes Doppeltrockenjahr bekommen“, sagt Dr. Christoph Donner, Technischer Geschäftsführer der Harzwasserwerke. „Es handelt sich um Vorsichtsmaßnahmen, die die jetzige Versorgungssicherheit selbst im schlechtest möglichen Fall aufrechterhalten werden.“ Besonderes Augenmerk gilt dabei der Sösetalsperre, die mit 36,2 Prozent Füllung (Stand 6. September) deutlich geringer gefüllt ist als die beiden anderen Trinkwassertalsperren Grane- und Eckertalsperre. Grund zur Panik besteht aber nicht: „Wir beobachten und bewerten die Situation täglich neu“, sagt Dr. Donner. „Wir wollen frühzeitig und entschlossen handeln.“

Umweltminister Olaf Lies bekräftigt dies ausdrücklich: „Es sind unbedingt Strategien zu entwickeln, um auch für solche Extremsituationen in Zukunft ausreichend gerüstet zu sein.“ Die Landesregierung hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit Stakeholdern, zu denen auch die Harzwasserwerke gehören, bis 2021 ein landesweites Wasserversorgungskonzept aufzustellen. „Die langfristige Sicherstellung der öffentlichen Wasserversorgung als der maßgebliche Bestandteil der Daseinsvorsorge muss oberste Priorität haben“, so Umweltminister Lies.

Odertalsperre, leer

Sofortmaßnahmen für die sichere Trinkwasserversorgung

Bereits Anfang der Woche haben die Harzwasserwerke die Trinkwasserabgabe aus der Sösetalsperre in Richtung Norden gedrosselt. Das Wasser, das sonst von der Sösetalsperre Richtung Norden fließt, wird nun größtenteils aus der Granetalsperre entnommen. „Damit können wir an der Sösetalsperre 150 Liter in der Sekunde einsparen und die Ressourcen der Talsperre auf die Versorgung des Südens von Niedersachsen und Göttingen fokussieren“, erklärt Dr. Donner. Aktuell prüfen die Harzwasserwerke, ob eine Substitution durch die Granetalsperre um weitere 50 Liter in der Sekunde möglich ist. Außerdem wird ein Teil des UNESCO- Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft dazu genutzt, mehr Zuflüsse in die Sösetalsperre umzuleiten. So soll Wasser teilweise aus dem Morgenbrodstaler Graben in die Talsperre eingeleitet werden, was einige Liter in der Sekunde Ressourcengewinn bedeuten kann.

Bereits im August hatten die Harzwasserwerke mit dem NLWKN, das die Talsperrenaufsicht führt, einen Plan vereinbart, der es ihnen ab einem bestimmten Füllungsgrad der Sösetalsperre gestattet, die Unterwasserabgabe in den Flussunterlauf zur Niedrigwassererhöhung etwas zu reduzieren. In diesem Sonderbetriebsplan war vereinbart worden, die Unterwasserabgabe auf 200 Liter pro Sekunde und dann in einem weiteren Schritt auf 100 Liter pro Sekunde zu reduzieren. „Aktuell stimmen wir mit dem NLWKN ab, die sofortige Reduzierung auf 100 Liter pro Sekunde zuzulassen“, sagt Dr. Donner.

Sösetalsperre, leer

Mittelfristige Maßnahmen

Neben den Sofortmaßnahmen sind gemeinsam mit dem Umweltministerium und dem NLWKN weitere Schritte in Absprache, die je nach Wetterlage umgesetzt werden können. Unter anderem wird aktuell überlegt und geprüft, ob und wenn ja, wieviel Wasser schadensfrei aus den Teichen des UNESCO- Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft für die Talsperren gewonnen werden kann. „Hier nehmen wir uns Zeit mit einer Prüfung, denn viele Faktoren wie zum Beispiel der Umweltschutz sind zu beachten. Die aktuelle Situation erfordert kein hastiges, weiteres Handeln“, sagt Dr. Donner.

Langfristige Maßnahmen

Langfristig müssen die Anlagen der Harzwasserwerke im Harz an den Klimawandel angepasst werden. „Wir wollen wissenschaftlich überprüfen lassen, ob und wenn ja welche Maßnahmen uns langfristig helfen, noch mehr Sicherheit für Niedersachsen zu schaffen“, sagt Dr. Donner. Eine Möglichkeit ist es, Talsperren noch stärker miteinander zu verbinden, um im Hochwasser- oder Dürrefall Wasser zwischen den Talsperren zu verteilen. „Wir müssen auch überprüfen, ob unsere Anlagen genügend Fassungsvermögen haben und ob wir unsere Betriebsweise noch weiter optimieren können“, erklärt Dr. Donner. Wasserspeicher Harz soll das Projekt heißen, das die Harzwasserwerke gemeinsam mit Forschungspartnern auf den Weg bringen wollen. Es soll auch mit dem Niedersächsischen Wasserversorgungskonzept in geeigneter Weise verknüpft werden.

Innerstetalsperre, fast leer

Zu wenig Niederschlag seit Februar

Die Monate seit Februar dieses Jahres sind die trockensten im Harz seit Beginn der den Harzwasserwerken vorliegenden Wetteraufzeichnungen von 1857. Gemessen wurde dieser Rekord an einer von den Harzwasserwerken betriebenen Wetterstation in Clausthal- Zellerfeld im Oberharz. Auch die Niederschläge in den Einzugsgebieten der anderen Talsperren und die daraus folgenden Zuflüsse in die Talsperren sind unter dem langjährigen Durchschnitt.

Wettervorhersage

Der Deutsche Wetterdienst geht in seiner Vier- Wochen- Wettervorhersage tendenziell nicht davon aus, dass wir signifikante Niederschläge bis Ende September bekommen werden. Bei der Vier-Wochen- Wettervorhersage handelt es sich allerdings um eine Trendaussage. Sie ist nicht mit einer normalen Wettervorhersage zu verwechseln, weil ihre Aussagekraft deutlich geringer ist, da sie sehr weit und daher unscharf in die Zukunft schaut. Die bisherigen Wettervorhersagen waren allerdings recht korrekt. Daher könnte es sein, dass sich die Trockenheit fortsetzt und die Harzwasserwerke bis Ende September nicht weitere Ressourcen für ihre Talsperren gewinnen werden können.

Hoher Wasserverbrauch

Die Trinkwasserabgabe der Harzwasserwerke war im Juli mit mehr als 10 Millionen m³ rekordverdächtig. Auch im August wurden fast 10 Millionen m³ Trinkwasser abgegeben, was ein außergewöhnlich hoher Verbrauch für diesen Monat ist (Vergleich August 2017: 8,5 Millionen m³). Alle Produktionsressourcen werden voll ausgeschöpft. Aufgrund der Wetterlage ist eine signifikante Entspannung unwahrscheinlich. Das bedeutet, dass die Harzwasserwerke voraussichtlich weiter viel Wasser aus den Talsperren für Niedersachsen zu Trinkwasser aufbereiten werden.

Das Netz der Harzwasserwerke führt bis nach Bremen.

Bedeutung der Niedrigwassererhöhung

Durch die Niedrigwassererhöhung speisen die Harzwasserwerke die Flüsse unterhalb der Talsperren, wie zum Beispiel die Oker und die Innerste. Das Wasser in diesen Flüssen kommt zur Zeit maßgeblich zwischen 50 Prozent bis 90 Prozent aus den Talsperren. Ohne die Talsperren würden diese Flüsse unter Umständen abschnittsweise trockenfallen – mit schweren Folgen für das aquatische Ökosystem. Trotz der Abflusserhöhung der Flüsse durch die Harzwasserwerke haben erste Industriebetriebe gemeldet, dass das Wasser in den Flüssen zu hohe Temperaturen für die Kühlung ihrer Anlagen hat. Von dieser Kühlung durch Wasser ist die Industrie aber teilweise abhängig. Das bedeutet, dass die Harzwasserwerke nicht einfach die Abgabe von Wasser aus den Talsperren in die Unterläufe der Flüsse einstellen können, da sie sonst der Industrie in Niedersachsen und insbesondere im Harz schaden könnten.

Füllstände der Talsperren

Die Trinkwassertalsperren sind insgesamt mit 54,1 Prozent gefüllt (Stand 6. September). Dies ist für die jetzige Jahreszeit ein unterdurchschnittlicher, aber kein Rekordwert. Besonderes Augenmerk gilt der Sösetalsperre, die aktuell zu 36,2 Prozent gefüllt ist (Stand: 6. September).

Kompetenz und Weitblick für die sichere Versorgung

Bei den Harzwasserwerken arbeiten erfahrene Mitarbeiter mit langjähriger Berufserfahrung, die jeden Tag die aktuelle Situation bewerten. Bereits seit mehreren Monaten haben die Harzwasserwerke erkannt, dass dieses Jahr eine Herausforderung für die Wasserwirtschaft werden könnte und haben dementsprechende Absprachen und Maßnahmen vorbereitet, die jetzt greifen. Diese Maßnahmen wurden anhand von Modellrechnungen erarbeitet, wie sich die Talsperrenfüllstände entwickeln könnten. Dazu werden Daten aus der Vergangenheit genutzt. Aktuell wurden zwei Referenzjahre herangezogen: Einmal das trockensten Gesamtjahr der Aufzeichnung 1959/ 1960 und das Doppeltrockenjahr 1995/ 1996. Da das Wasserwirtschaftsjahr von November bis Oktober geht, wird der Begriff Doppeltrockenjahr für eine trockene Periode verwendet, die über Kalenderjahre hinausgeht.

Über die Harzwasserwerke GmbH:
Die Harzwasserwerke sind größter Wasserversorger Niedersachsens und beliefern als Vorversorger andere Wasserversorger, Stadtwerke und Unternehmen. Mit rund 95 Millionen Kubikmeter Trinkwasser, die pro Jahr verkauft werden, gehören die Harzwasserwerke zu den zehn größten Wasserversorgern Deutschlands. Das Wasser gewinnen die Harzwasserwerke aus Talsperren im Harz und aus Grundwasserwerken entlang ihres Leitungsnetzes. Neben dem Verkauf von Trinkwasser nehmen die Harzwasserwerke auch andere Aufgaben wahr: Mit dem Management von sechs Talsperren und den Teichen der Oberharzer Wasserwirtschaft sind sie im Harz für Hochwasserschutz zuständig. Durch die Niedrigwasserauffüllung sorgen die Harzwasserwerke dafür, dass in Zeiten ohne Regen Flüsse nicht trockenfallen. Außerdem setzen sich die Harzwasserwerke für den Naturschutz ein und erzeugen mit ihren Wasserkraftwerken regenerative Energien. Auch die Pflege und Unterhaltung der historischen Oberharzer Wasserwirtschaft, die mit der Altstadt von Goslar und dem Bergwerk Rammelsberg UNESCO- Weltkulturerbe ist, übernehmen die Harzwasserwerke. Mehr über die Harzwasserwerke erfahren Sie unter www.harzwasserwerke.de .

 

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