Miner’s Rock – VNV Nation bringt den Berg zum Beben

4. November 2019 von
Sänger Ronan Harris band das Plüsch-Einhorn "Rosi" kurzerhand in seine Show ein - und bereitete einem Fan damit ein ganz besonderes Geschenk. Fotos: Marvin König
Goslar. "Schichten" nennen die Macher der Miner's Rock - Veranstaltungen ihre Konzerte in der alten Schlosserei des ehemaligen Erzbergwerks Rammelsberg. Die englisch-irische Future Pop Band VNV Nation legte am vergangenen Wochenende sogar eine Doppelschicht ein. Sänger Ronan Harris und seine Mannschaft boten den zirka 1400 Besuchern, die sich auf die zwei Schichten verteilten erneut ein erinnerungswürdiges, tanzbares Klangspektakel.

Die zweite Schicht am Sonntag wurde übrigens nötig, weil die Karten für das Konzert am Samstag nach nicht einmal 24 Stunden restlos ausverkauft waren.  In der schwarzen Szene ist VNV Nation eine Instanz. In diesem Jahr war die Gruppe Headliner auf dem Mera Luna Festival in Hildesheim, welches nach Veranstalterangaben jedes Jahr rund 25.000 Besucher anlockt. Auch in Goslar vermochte die Band eine gewaltige Zugkraft zu entfalten. Besucher aus allen Städten unserer Region kamen, als das Bergwerk zum Feiern rief. Blankenburg, Wernigerode, ja sogar aus Berlin wagten Musikfans den langen Weg nach Goslar, um ihre Lieblingsband in einer einzigartigen Location zu sehen. Auch Oberbürgermeister Oliver Junk liess sich blicken und mischte sich unter die gut gelaunte Menge. 

Dr. Axel Koch singt vor dem Hauptact traditionell das Steigerlied mit den Gästen.

Punkt 20 Uhr ging es los – Dr. Axel Koch tritt in Bergmannskluft mit seiner „Froschlampe“ – einem historischen Grubengeleucht – auf die Bühne und singt mit den 700 Besuchern in alter Bergbautradition das „Steigerlied“. Ein Gänsehauterlebnis, noch bevor das Konzert begonnen hat. Ronan Harris und seine Band fackeln nach dieser andächtigen Zeremonie nicht lange und ziehen die Zuhörer mit „When is the Future?“ vom jüngsten Album „Noire“ direkt in ihren Bann. Mit diesem Album hielt sich VNV Nation nach dem Release sogar eine Woche auf Platz vier der deutschen Albumcharts.

Ein Fest der Emotionen

Doch bei aller Düsternis, die das Auftreten der Fans, der Band und die Albumnamen vermuten lassen, vermittelt VNV Nation magische Leichtigkeit, zwischen stampfende Rythmen mischen sich gefühlvolle Balladen,  die Lichtstimmung der tanzenden Scheinwerfer taucht die alte Schlosserei in ein buntes Lichtermeer, den elektrischen Hymnen angemessen. Es wird getanzt, gelacht, als der Hintergrund des Songs „Illusion“ erklärt wird, ist es still im gesamten Saal. Und vielleicht wurde auch etwas geweint. 

Ganz ohne Schwierigkeiten lief der Abend nicht. Frontmann Ronan Harris leidet unter einer starken Allergie gegen Bühnennebel – und von diesem sei deutlich zu viel versprüht worden. „So viel brauchen wir nicht, wir sind nicht die Sisters of Mercy“, scherzt der Sänger und kämpft etwas mit seiner Stimme. Dies sei eigentlich auch abgesprochen gewesen. Dem bühnenaffinen Vollprofi Harris vermögen Allergiesymptome aber nicht aufzuhalten. Nach einer minimalen Unterbrechung und einem Glas Wasser singt er unter anerkennendem Jubel einfach weiter. 

Beim Lichtermeer zum Song „Nova“ werden traditionell die Taschenlampen und Feuerzeuge gezückt – das klappte unter Fans auch ganz ohne Aufforderung.

Ein publikumsnaher Star

Auch dafür ist VNV Nation bekannt – mit viel Witz, aber auch einer gewissen Strenge begeht man das Bühnenprogramm. Harris begrüßt alle Kinder in der vordersten Reihe persönlich, schüttelt auch den Fotografen die Hand, würdigt die Anwesenheit der Sanitäter und rügt Zuschauer, die ihren Mitmenschen die Sicht versperren, wenn diese ihre Handys (oder sogar Tablets) in die Luft halten – oder hilft Ihnen aus. Der manchmal etwas raue, aber sympathische Ire holt ein Handy aus der vorderen Reihe zu sich auf die Bühne und hebt das persönliche Erinnerungsvideo wortwörtlich auf eine neue Ebene. 

Abenteuer für ein Einhorn

Einhorn „Rosi“ konnte im Publikum für viel Erheiterung sorgen. Harris nahm es aus dem Publikum entgegen und liess es über die Bühne fliegen – abschließend gab es noch ein Autogramm ins Fell.  Das Plüschtier gehört zu einer Gruppe von Freunden, die schon seit 30 Jahren Konzerte besuchen und in der schwarzen Szene unterwegs sind: „Unser Einhorn Rosi begleitet uns als Maskottchen“, erklärt Besitzerin Caro Deike: „Am gestrigen Abend ging es für Rosi erst unter die Erde, danach durfte sie on Stage und hat zu guter Letzt noch ein Tattoo von Ronan bekommen. Ein fabelhafter Tag für unser Unicorn.“ 

Gegen 23 Uhr endete die Schicht am Rammelsberg. Ein ungewöhnliches, erlebnisreiches Konzerterlebnis. Gerade wenn die Stars von der großen Bühne so auf Tuchfühlung mit ihren Fans gehen, die sie teilweise schon seit Jahrzehnten begleiten. Erlebnisse in der Welterbestadt am Harz, die ein großes Festival vielleicht so gar nicht bieten kann – so sah das wohl auch die Band. Ein Fan konnte Ronan Harris und seine Crew später noch auf dem Marktplatz treffen. Abschließend bleibt zu hoffen, dass nicht nur die Stadt Goslar, sondern auch die Energie der Fans in dieser besonderen Location genug Anlass für VNV Nation bieten, erneut für eine verzaubernde Show im Rammelsberg einzukehren. Für die Freunde alternativer Musik steht schon das nächste Highlight in Aussicht: Subway to Sally macht am 13. März 2020 ebenfalls Halt in Goslar. 

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