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Öffentlichen Smartphone-Ladestationen: Das sagen unsere Politiker

27. Oktober 2017 von
Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk spricht sich für Ladestationen im öffentlichen Raum aus. Foto: Max Förster / Anke Donner
Goslar. Seit über zwei Jahren sind die Bushaltestellen in Paris mit Ladestationen für Smartphones versehen. Eine Idee, die Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk so gut findet, dass er sie über Twitter geteilt hat. Grund für regionalheute.de nachzufragen, wie die anderen Parteien dazu stehen.

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Bei den Nachbarn gehörten Ladestation zur gängigen Praxis, warum also nicht auch in Goslar, antwortet Junk auf die Frage nach einer möglichen Umsetzung mit einer Gegenfrage. „Warum also nicht auch in Goslar zukunftsorientiert Bushaltestellen oder andere öffentliche Einrichtungen zur rettenden Strombasis umfunktionieren?“ Schließlich wäre es ein besonderer Service für Einheimische und Touristen, wenn diese per USB-Stecker und eigenem Kabel rund um die Uhr ihre elektronischen Dauerbegleiter aufladen könnten. Dann fiele auch das Warten auf den nächsten Bus nicht so schwer, so Junk weiter.

Der einzige Aspekt, der gegen eine direkt Umsetzung spricht, ist für Junk der Kostengrund. Das werde die Einführung verzögern.

Was sagen die anderen Politiker?

Henning Wehrmann (Bürgerliste):

„Ähnlich wie beim Handy-Parken, das in Goslar eine ’sagenhafte‘ Nutzerquote von 2,2 Prozent hat, ist auch dieser Vorstoß des Herrn Oberbürgermeisters eher als Versuch zu werten, wieder einmal in die Schlagzeilen zu kommen – und dabei scheint ihm jedes noch so abwegige Randthema gerade Recht zu sein. Tatsache ist aber: Goslar spielt nun einmal nicht in derselben Liga wie die französische Hauptstadt Paris. Das sollte auch Dr. Junk einsehen.

Zurecht wird in den Kommentaren auf der Facebook-Seite von regionalGoslar.de in diesem Zusammenhang von einem „Luxusproblem“ gesprochen. Kaputte Straßen, fehlende Kita-Plätze, abgewirtschaftete Immobilien – Goslar hat viele Baustellen, die einer dringlicheren Bearbeitung bedürfen. Und selbst diese Aufgaben lassen sich nicht solide finanzieren, wie Junks Haushaltsentwurf für 2018 mit einem erneuten Einstieg in die Verschuldungspolitik belegt. Im Übrigen spricht man immer vom mündigen Bürger, dessen Eigenverantwortlichkeit gesteigert werden soll. Kann man von mündigen Bürgern nicht wenigstens erwarten, dass sie ihr Smartphone aufladen, bevor sie das Haus verlassen?

Unsere Fraktion wird diesbezüglich gar keine unterstützenden Schritte einleiten, sondern darauf drängen, dass die Stadt ihre originären Aufgaben erfüllt, ohne dabei mit zusätzlichen Schulden künftige Generationen zu belasten.“

Martin Mahnkopf (SPD):

Die SPD-Fraktion stehe der Idee grundsätzlich positiv gegenüber.

„Allerdings ist die Idee des Oberbürgermeisters mit alleinigen Auflademöglichkeiten an Bushaltestellen zu kurz gedacht. An den Haltestellen verweilen die Menschen nur sehr kurz, da der Bus dankenswerterweise in relativ kurzen Intervallen fährt.

Unsere Fraktion hat sich bereits seit letztem Jahr sehr intensiv mit der Frage digitale Mobilität in Goslar auseinandergesetzt. So setzen wir uns beispielsweise für ein öffentlichen W-LAN Zugang in öffentlichen Bereichen und Gebäuden ein. Um für Touristen und Bürgern alle Angebote und Veranstaltungen der Kaiserstadt digital zur Verfügung zu stellen, hat meine Fraktion bereits einen Antrag zur Erstellung einer ‚Goslar-App‘ eingebracht, welche vom Stadtmarketing bearbeitet wird.

Unserer Lebenswelt wird mit großen Schritten immer digitaler. Wenn wir uns zum Verweilen hinsetzen, schauen wir auf unser Smartphone oder Tablet. Goslarer Touristen nutzen beispielsweise ihre Smartphones, um sich zu orientieren. Die Goslar App wird hier helfen. Deshalb reichen Ladestationen an Haltestellen nicht aus, wohlmöglich ist dies auch nicht der richtige Platz/Ort in unserer Stadt. Zum Bereich Bushaltestellen wünschen sich die Bürger übrigens eher ausreichend Sitzplätze und Mülleimer. Aber wir wollen das Thema ‚Digitalität und Lademöglichkeiten‘ in Goslar weiter nach vorne bringen.“

Einen eigenen Antrag für Smartbenches und Aufladestationen hat die SPD bereits erstellt, dieser liegt den einzelnen Gremien nun für eine weitere Beratung vor.

Christian Rehse (FDP):

Hat den Vorschlag in seiner Gruppe ausgiebig besprochen.

„Wir halten öffentliche Ladestationen für Handys derzeit nicht für erforderlich. Es gibt wichtigere Anliegen in den Bereichen Straßenbau und Grünpflege, Kitas, Schulen, Straßen, E-Bussen. Wir gehen nicht davon aus, dass die Idee mit einem vernünftigen Kosten/Nutzenverhältnis umsetzbar wäre.

Zum ersten verursacht das wieder Kosten, die keinerlei Nutzen bringen, denn niemand fährt mit dem Bus, weil er an der Haltestelle sein Handy aufladen kann. Und zweitens wird dadurch unter Umständen eine Klientel längerfristig an die Haltestellen gebunden, die man dort sicher nicht dauerhaft haben möchte. Ganz davon abgesehen, dass es auch zu Spannungen kommen kann, wenn die Zahl der Nutzer die Anzahl der Ladeplätze übersteigt.

Wir sollten uns grundsätzlich davor hüten, die Haltestellen zu dauerhaften Aufenthaltsorten zu machen. Vom möglichen Vandalismus mal ganz abgesehen. Im Internet hat sich bislang auch schon eindeutig eine klare Position gegen diesen Junk-Plan abgezeichnet…

Die Idee ist nicht neu und bereits in anderen Städten gescheitert: Überfälle, Raubgefahr.

Die Ladezeiten, bei einem leeren Akku, sind sicher viel zu lang, um halbwegs sinnvoll wieder mit dem Handy agieren zu können. Wie viele Steckdosen wären nötig? Wer garantiert den Nutzern den Diebstahlschutz und Wetterschutz.

Wer sein Handy viel nutzt, weiß im Regelfall ob und wie er mit seinem Akku über den Tag kommt. Bei Bedarf gibt es für solche Aspiranten mittlerweile vielfältigste Zusatzakkus. Nicht selten sogar als Werbegeschenke. Damit hat sich sicher der bereits versorgt, der solchen Bedarf hat.“

Norbert Schecke (CDU):

„Sinn macht es sicherlich an Orten, wo eine längere Verweildauer ansteht. Wir kennen derartige Einrichtungen insbesondere von Flughäfen und Bibliotheken.“

Für eine genaue Beurteilung der Idee möchte Schecke den Sachverhalt allerdings erst mit seinen Fraktionsmitgliedern besprechen.

 

Dirk Straten (AfD):

„Nach einer Diskussion innerhalb unserer Fraktion stehen wir diesem Vorschlag negativ gegenüber. Oberbürgermeister Dr. Junk ’schießt aus dem Bauch heraus‘ und zieht Vergleiche aus Paris heran. Hierbei ist es eigentlich unerheblich, ob wir von Paris oder Goslar reden. Die Idee an sich mag wohl für den einen oder anderen von Vorteil sein. Betrachten wir jedoch die Masse der Bürger, ist eine solche Investition unnütz. Zu kurze Wartezeiten an den Bus-Haltestellen und zu lange Ladezeiten für Handy´s. 5 Prozent Akkuladung dauern circa 15 Minuten. Zudem kommen immer mehr Powerbanks auf den Markt und machen solche Investitionen überflüssig.

Freiwerdendes Geld aus dem Land Niedersachsen und vom Budget der Stadt Goslar sollte hier eher in die Infrastruktur Goslars investiert werden. Besonders – zum Beispiel – in unsere Straßen. Wobei natürlich auch Kindergärten und Kitas normalerweise an oberster Stelle stehen müssen. Dies ist jedoch ‚die Baustelle‘ unserer gewählten Vertreter Niedersachsens.“

Weitere Stimmen:

regionalHeute.de hat auch Die Linke gefragt. Zur geplanten Veröffentlichung des Artikels lad das Statement allerdings noch nicht vor. Sabine Seifarth (Grüne) schrieb von ihrer Dienstreise, eine Abstimmung mit ihrer Fraktion stünde noch aus.

 

 

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