PETA wettert gegen Wildtierhaltung – Zirkus hält dagegen

22. März 2018 von
PETA wirft dem Zirkus Charles Knie vor, die Tiere einer regelrechten „Stresstournee“ auszusetzen - das wollen die Veranwortlichen so nicht stehenlassen. Foto: Archiv
Braunschweig. Der Zirkus Charles Knie gastiert ab Freitag mit zahlreichen Wildtieren wie Zebras, Löwen und Tigern in Braunschweig. PETA wirft dem Zirkus in einer Pressemitteilung vor, die Tiere einer regelrechten „Stresstournee“ auszusetzen. Auf Anfrage von regionalHeute.de äußerte sich Patrick Adolph, Pressesprecher des Zirkus Charles Knie, zu den Vorwürfen.

„Bei der aktuellen Tour verbringt Zirkus Charles Knie im Schnitt lediglich vier Tage an einem Ort – mit nur einem Tag Pause zwischen den Gastspielen“, heißt es der Mitteilung des Tierschutzvereins PETA. Dies würde zu erhöhtem Stress bei den Tieren führen. Dem widerspricht der Zirkus: „Dass die Transporte, die ja immer in den vertrauten, rollenden Quartieren stattfinden, die auch Stall und „Heim erster Ordnung“ für die Tiere sind, keinen Stress für die Tiere darstellen, ist längst wissenschaftlich bewiesen. Der Nachweis wurde durch den bekannten Freiburger Biologen der Universität Freiburg, Dr. Emanuel Brimelin erbracht. Mittel eines Cortisoltests, der die Stress-Hormon-Ausschüttung auf dem Transport von Raubtieren und Elefanten gemessen hat konnte nachgewiesen werden, dass die Tiere auf dem Transport keinerlei erhöhten Stresshormone produzieren“, teilt Pressesprecher Patrick Adolph mit und verweist auf eine entsprechende Studie.

Auch wenn der Zirkus auf einer Privatfläche gastiert, appelliert die Tierrechtsorganisation angesichts der gravierenden Missstände an die Kommunalpolitiker, Zirkusbetriebe mit Wildtieren künftig zumindest auf kommunalen Flächen nicht mehr zuzulassen. „Wir hoffen, dass Braunschweig ein kommunales Wildtierverbot beschließt und so ein wichtiges Zeichen für den Tierschutz setzt“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Aber auch private Flächenvermieter sollten ihre Kompetenz nutzen und Zirkussen, die Wildtiere mitführen, den Auftritt untersagen.“

Dutzende Ausbrüche von Zirkus-Tieren

PETA verweist auf zahlreiche Ausbrüche von Wildtieren. Foto: pixabay

PETA beruft sich hinsichtlich der insgesamt uneinheitlichen Rechtsprechung verschiedener deutscher Gerichte auf ein Gutachten aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR), wonach kommunale Wildtierverbote auch weiterhin zulässig sind, sofern gefährliche Tiere wie Tiger oder Löwen involviert sind. Jährlich mehrere Dutzend Ausbrüche von Tieren im Zirkus, die teilweise zu Todesfällen oder Verletzten führten, bestätigen laut PETA die Notwendigkeit einer weitergehenden Regelung.

Auch dies möchte der Zirkus so nicht stehenlassen: „Auch hier lügt PETA, und bleibt den Beweis schuldig. Das Gegenteil ist der Fall. Mehrere Landesdirektionen, Verwaltungs- und Oberverwaltungsgerichte haben die sogenannten „Kommunalen Wildtierverbote“ als rechtswidrig gerügt. So befindet sich das Tierschutzgesetz ganz eindeutig in der Zuständigkeit des Bundes, und kann durch kommunale Entscheidungen nicht außer Kraft gesetzt werden“, so Adolph, der in diesem Rahmen auf einen Beschluss des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 3. März 2017 verweist. Auch hätten einige Städte ihre Verbotsbeschlüsse nach Kenntnis der aktuellen Rechtsprechung wieder zurückgezogen.

Zur Freilassung angestiftet

In den USA musste ein entlaufender Tiger von der Polizei erschossen werden. Foto: pixabay

Weiter heißt es in der PETA-Pressemitteilung: „Raubtierdompteur Alexander Lacey trat vor Jahren bei Zirkus Charles Knie auf und wechselte 2011 zu Ringling Bros. and Barnum & Bailey in den USA. Nachdem der US-Zirkus im Mai 2017 seine letzte Show aufführte, ist Lacey nun mit seiner Raubtierdressur zurück in Deutschland. PETA weist nachdrücklich auf die Gefahren hin: Erst im vergangenen Jahr entkam einer der Tiger während eines Transports in den USA, streifte durch bewohnte Siedlungen und wurde schließlich von der Polizei erschossen.“

Auch hier sieht Patrick Adolph Erklärungsbedarf: „Hierzu erklären wir, dass die Strafverfolgungsbehörden in den USA bis heute mit der Aufklärung des Falls beschäftigt sind. Ihre Vermutung nach den bisher vorliegenden Ermittlungsergebnissen: Der Fahrer des Raubtiertransportes, ein Spediteur für Tiertransporte, könnte von radikalen Tierrechtlern zu Freilassung des Tigers angestiftet worden sein.“

Viele Ortswechsel und lange Standzeiten 

PETA kritisiert die angeblich langen Standzeiten für die Wildtiere. Foto: pixabay

Die ungewöhnlich hohe Frequenz an Ortswechseln und die damit einhergehenden langen Standzeiten auf Transportern zeigen laut PETA, wie rücksichtslos der Zirkusbetrieb mit den rund 100 Tieren umgeht. Im Juni 2015 wurde der seinerzeit vom Zirkus Charles Knie beschäftigte Elefantentrainer Errani wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz rechtskräftig zu einer Geldbuße verurteilt, weil die Elefanten beim Wechsel der Gastspielorte wiederholt bis zu 18 Stunden auf dem Lkw bleiben mussten. Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation leiden nicht nur die Wildtiere erheblich unter dieser Tortur.

„PETA verschweigt jedoch ausdrücklich, dass es sich um ein geringfügiges Bußgeld in Höhe von 150 Euro gehandelt hat.
Der sich beim Zirkus Charles Knie mit seinen Elefanten im Engagement befindliche Trainer hatte auf Grund von technischen Schwierigkeiten einmalig seine Tiere nicht umgehend am neuen Standort ausladen können. Der für den Aufbau der Stallungen notwendige Radlader traf verspätet ein, die Mietvereinbarungen für den Festplatz in Darmstadt erlaubten keinen Aufbau von Anlagen nach 22 Uhr“, erörtert Patrick Adolph den Vorfall.

„Zebras erfreuen sich bester Gesundheit“

Laut Aussage des Zirkus geht es den Zebras, anders als von PETA dargestellt, gut. Foto: pixabay

Wildtiere haben laut PETA hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, die in einem reisenden Zirkus nicht erfüllt werden können. Die geselligen Steppenzebras etwa leben in offenen afrikanischen Graslandschaften in Gruppen von bis zu 20 Tieren; bei Zirkus Charles Knie würden sie an vielen Gastspielorten auf asphaltiertem Boden gehalten. Das natürliche Revier von Tigern umfasst in den dichten Wäldern Asiens mehrere hundert Quadratkilometer; sie haben einen enormen Bewegungsdrang und verfügen über hohe kognitive Fähigkeiten. Laut Artenschutzorganisationen leben heute nur noch etwa 3.200 der vom Aussterben bedrohten Tiere in freier Wildbahn.

Dazu die Darstellung des Zirkus: „Die Zebras im Zirkus Charles Knie erfreuen sich bester Gesundheit. Besuchern gegenüber sind sie ausgesprochen interessiert, freundlich und zutraulich. Zebras sind von Natur aus an wechselnde Bodenverhältnisse gewöhnt. Sie sind sowohl an ausgetrocknete Steppe sowie an Grasland erstklassig angepasst. Die Zebras im Zirkus Charles Knie leben in einer harmonischen Gruppe. Wäre es jedoch eine Herde von 20 Tieren, so würde PETA sicherlich den Umstand, es wären zu viele Tiere bemängeln.“

Keine seriösen, wissenschaftlichen Belege für Tierleid

PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht da sind, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod. Mehr als 85 Städte und Gemeinden haben bereits ein kommunales Wildtierverbot beschlossen. Einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können. Bezüglich exotischer Wildtierarten spricht sich auch die Bundestierärztekammer für ein Verbot aus.

Das sieht Patrick Adolph anders: „Es gibt keine seriösen wissenschaftlichen Belege dafür, dass es Wildtieren die in Zirkusbetrieben gehalten werden schlechter geht als in jedweder anderen Form der Wildtierhaltung (z.B. im Zoo). Vielmehr existieren mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die im Ergebnis das genaue Gegenteil beweisen. Zirkustiere, die nach ihrer jeweiligen Art, ihren individuellen Bedürfnissen und unter fachkundiger Betreuung gehalten werden sind gesund, ausgeglichen und fühlen sich sichtlich wohl. Genau diese Frage war bereits im 2015 Jahr Gegenstand eines Gutachtens des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags. Das Ergebnis war eindeutig: „Trotz umfassender Recherche konnten keine unabhängige Studien gefunden werden, die belegen, dass es sich bei der Haltung von ,,Wildtieren“ im Zirkus nicht nur in Einzelfällen um Tierquälerei handelt bzw. das Wohl der Tiere beeinträchtigt ist.“

Zudem merkt der Pressesprecher abschließend an: „Einladungen durch den Zirkus Charles Knie, sich vor Ort ein Bild von der Tierhaltung zu machen, wurden von den Insassen des Stuttgarter PETA-Headquarter grundsätzlich ausgeschlagen.“

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