Über das Leben mit HIV

25. Juli 2016
Ende Juni waren betroffene Familien aus dem Raum Salzgitter Braunschweig und Goslar mit dem Segelschiff Wilhelmina auf dem Ijsselmeer unterwegs. Unter fachlich kompetenter Anleitung ging es dabei um die Kommunikation innerhalb der Familie über die "bittere Wahrheit AIDS". Foto: AIDS-Hilfe e.V.

Region. Familien, die mit der HIV-Infektion der Mutter, des Vater oder des Kindes klarkommen müssen, stehen unter enormen Druck. Die Unsicherheit darüber, ob und wie in der Familie über die bittere Wahrheit „AIDS“ gesprochen werden sollte und die Angst vor Diskriminierung und Isolation belasten betroffene Familien extrem und kosten viel Kraft. Mit Hilfe von Spenden hat das landesweite Netzwerk „Aids, Kinder und Familie“ der Aidshilfe Niedersachsen erstmals einen Segeltörn im niederländischen Ijsselmeer für sechs betroffene Familien organisiert.

Ingrid Mumm, Initiatorin des Projektes „Aids, Kinder und Familie“, Jutta Pein, von der Aidshilfe Goslar e.V. , Jule Hedtheuer, Aidshilfe Paderborn e.V. und 17 Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, darunter neun Kinder aus dem Raum Braunschweig, Salzgitter und Goslar, stachen Ende Juni gemeinsam in See und verbrachten fünf Tage auf dem wunderschönen Zweimastklipper Wilhelmina mit Kapitän Harriet und dem Maat Douwe. Im Mittelpunkt der Reise stand das Familienseminar Familiengeheimnisse. Unter professioneller Anleitung von Ingrid Hermes entwickelten Eltern individuelle Strategien für die Kommunikation in der Familie und im Umfeld der Familie. „Wie viel Geheimnis verträgt mein Kind“ war die Kernfrage in dem von allen TeilnehmerInnen interessiert angenommenen Angebot.

Bestärkt und ermutigt ging die Reise bei durchwachsenem Wetter weiter auf die „Kanincheninsel“. Alle Teilnehmer unterstützten die Crew beim Segel setzen, An- und Ablegen und durften sogar auch mal das Steuer übernehmen. Unter Deck wurden die Mahlzeiten gemeinsam zubereitet und an den Abenden, geschützt vor Regen und Wind, Spiele gespielt, gemalt, gebastelt, erzählt und gelacht. Auf vorgegebene Regeln im Tagesablauf an Bord wurde zugunsten der Gruppenentwicklung verzichtet. Eigenverantwortung und gegenseitige Unterstützung entwickelten sich aus dem Bedarf heraus sehr schnell und boten eine gute Grundlage für die Entwicklung eines freundschaftlichen, solidarischen Miteinanders.

Den Ansagen der Crew war dagegen ohne Diskussion Folge zu leisten und eine Einführung in die Besonderheiten zum Aufenthalt auf dem Zweimastklipper zu Beginn der Reise, verdeutlichte die Notwendigkeit der Sicherheitsmaßnahmen für alle. Die Gruppe ist an Bord der Wilhelmina zusammengewachsen und hat viel Kraft für den Alltag sammeln können. Davon zeugen auch die Aussagen der TeilnehmerInnen am Ende der Reise:

– „Das Leben auf dem Schiff war etwas Besonderes. Äußerlichkeiten zählten nicht mehr und es ist ein Gruppengefühl entstanden, das uns Stärke gegeben hat.“ (N. 38 J.)
– „Ich werde das Segeln auf der Wilhelmina sehr vermissen.“ (J. 25 J.)
– „Eine so harmonische Truppe und ein gelungenes Seminar, daraus ist ein Gemeinschaftsgefühl gewachsen, das ich so noch nicht erlebt habe.“ (M. 35 J.)
– „Dass sich alle an Bord so gut verstanden haben, auch mit der Crew war herrlich…. Mich hat das Seminar innerlich berührt- kurz und gut, der ganze Trip war gelungen.“(T. 39 J.)
– „Es war so schön die ganze Zeit auf dem Meer zu sein und segeln zu können.“ (A. 13 J.)
– „Ich danke meinem Gott, dass ich nach 25 Jahren in den Urlaub fahren konnte und meine Tochter dabei sein konnte. Der Blick auf das Meer hat mich beruhigt und meine Sorgen vergessen lassen.“
(B. 53 J.)

Alle Teilnehmer wünschen sich eine Fortsetzung. Daher soll im Herbst ein Familienwochenende im Harz stattfinden, um begonnene Lernprozesse fortzuführen und zu festigen. Das Thema wird dann: „Familiengeheimnisse 2. Teil“ sein. Im kommenden Jahr soll ein weiterer Segeltörn stattfinden, vorausgesetzt es finden sich Sponsoren. Wer Interesse am Projekt hat und/ oder spenden möchte, erhält weitere Informationen bei Ingrid Mumm (Landeskoordinatorin „Aids, Kinder und Familie“ Aidshilfe Niedersachsen Landesverband e.V. Telefon: 0511/132212-08) oder bei
Jutta Pein (Aidshilfe Goslar e.V. Telefon: 05321/42551).

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